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Haupt stellt sich vor – Martin Lind

Wir fragen, unsere Mitarbeitenden antworten

Martin Lind erzählt, wie er von New York nach Bern kam, welche Aufgabenbereiche ihm am meisten Spass machen und was es mit seiner ominösen Aluminiumbox auf sich hat.

Wie bist du zum Haupt Verlag gekommen?

Von Amerika aus! Ich wohnte damals auf einem Unicampus bei New York und schrieb an meiner Doktorarbeit. Da mein SNF-Stipendium auslief, war ich auf der Suche nach einem Job in der Schweiz. Meine Schwester machte mich auf die ausgeschriebene Lektoratsstelle bei Haupt aufmerksam, worauf ich mich sofort bewarb. Mein erstes, noch etwas unverbindliches Bewerbungsgespräch führte ich von New York aus per Handy. Das war recht teuer, die Investition hat sich aber gelohnt!

Was sind deine Aufgaben im Haupt Verlag?

Zusammen mit Regine Balmer gehört die Planung des Programmbereichs «Natur» zu meinen Haupttätigkeiten. Sie macht mir besonders Spaß, weil ich hier viele eigene Ideen einbringen und verfolgen kann und dabei immer wieder mit hochinteressanten Menschen in Kontakt komme. Natürlich führen nicht alle unsere Ideen auch zu Buchprojekten; einige versanden auch oder erweisen sich aus unterschiedlichen Gründen als unrealistisch. Es ist deshalb wichtig, immer an zahlreichen Ideen parallel zu arbeiten und eine gewisse Frustrationstoleranz zu haben; z.B. für den Fall, dass eine besonders geliebte Buchidee partout nicht Realität werden will.

Im Jahr veröffentlichen wir ca. 20 Titel im Bereich «Natur», wobei aber nicht alle Titel Eigenproduktionen, sondern auch weniger arbeitsaufwändige Lizenztitel mit dabei sind. Entsprechend ist die Betreuung der Titel von Buch zu Buch ganz unterschiedlich: Bei Lizenzen lagern wir viele Arbeitsschritte aus, sodass ich mich oft auf das Koordinieren und Kontrollieren der Termine beschränken kann. Bei Eigenproduktionen beginnt die Arbeit hingegen oft bei der Erarbeitung eines Konzepts, der Autorensuche und dem Aushandeln eines Vertrags, umfasst dann die Autorenbetreuung während des Verfassens des Manuskripts, die Erstellung eines Probelayouts und schließlich dem Lektorieren der fertigen Texte und die enge Begleitung des Layouts bis zum druckfertigen Buch. Zur Lektoratsarbeit gehören auch die Kalkulation der Buchprojekte, die Mitarbeit an der Verlagsvorschau und die Präsentation unserer Titel an der Vertreterkonferenz.

Welches Programmfeld des Haupt Verlag spricht dich besonders an?

Inhaltlich bin ich beim Naturprogramm absolut am richtigen Ort! Ich habe mir lange überlegt, ob ich an der Uni ein naturwissenschaftliches Fach studieren soll, habe mich dann aber schlussendlich für Philosophie entschieden. Es ist eine schöne Sache, dass ich mein Interesse an Biologie, Geografie, Geologie usw. nun quasi «on the job» ausleben kann.

Als Büchermensch habe ich natürlich auch Freude an bibliophilen Büchern aus schönen Materialien. Da sich die Naturbücher dazu weniger anbieten als die Titel aus dem Programmbereich «Gestalten», schaue ich mir sehr gerne an, was die Kolleginnen aus der Gestalten-Abteilung machen. Inhaltlich sind mir diese Bücher aber weniger nah; meine (kunst)handwerklichen Fähigkeiten halten sich, vorsichtig ausgedrückt, in engen Grenzen.

 

Welches Buch liegt derzeit auf deinem Nachttisch?

Immer furchtbar viele – ich kaufe deutlich mehr Bücher, als ich lesen kann. Deshalb versuche ich mir auch immer wieder (erfolglos) einen vorübergehenden Kaufstopp zu verordnen. Auf den Bücherstapeln liegt so allerlei; ziemlich weit oben gerade Butcher’s Crossing von John Williams, aber auch eine Biografie meines Lieblingskomponisten Dmitri Schostakowitsch, das kürzlich bei Haupt erschienene Boden-Buch, dazu einiges zur Geschichte des 20. Jahrhunderts und ab und zu etwas Philosophisches.

Was fasziniert dich an Büchern?

Dass zwischen zwei Buchdeckeln ganze Welten Platz haben, die man sich in aller Ruhe erschließen kann, wann immer man dazu gerade Zeit und Lust hat.

Was ist dein liebster kunsthandwerklicher Gegenstand?

Mit dem Kunsthandwerk habe ich es wie gesagt nicht so. Entsprechend habe ich feststellen müssen, dass ich auf der Suche danach in meiner Wohnung auch nichts Passendes auftreiben konnte. Ein Gegenstand mit sehr viel «sentimental value» ist jedoch diese uralte verbeulte Aluminiumbox. Sie ist, so viel ich weiß, mit meinen Eltern in den 1970er-Jahren durch ganz Asien gereist und begleitete in meiner Kindheit alle unsere Familienwanderungen. Kurz bevor ich letzten Sommer mit meiner Freundin für ein halbes Jahr auf eine Veloreise durch Afrika aufbrach, haben meine Eltern mir diese Box geschenkt. Sie hat uns in Afrika gute Dienste geleistet! Nun darf sie aber in den wohlverdienten Ruhestand treten und eine zweite Existenz als Dekogegenstand führen.

 


 Buchcover



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