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Bürohunde bei Haupt: Diago

Diago, Rhodesian Ridgeback – ein Hund mit abgeschliffenen Kanten und Ecken

Mittlerweile ist er ein Senior und schläft viel und laut unter dem Schreibtisch. Diago, ein neuneinhalbjähriger Rhodesian Ridgeback, begleitet mich ins Büro, seit er als zehn Wochen alter Welpe zu uns kam.

Mit 10 Wochen sind Ridgebacks sehr niedlich.

Vor vielen Jahren haben sich mein Mann und ich in diese Rasse verguckt, und als die Kinder etwas größer waren und wir wieder einen Hund anschaffen wollten, war der Zeitpunkt gekommen. Natürlich haben wir uns seriös informiert, mehrere Züchter besucht, wir hatten auch schon Hundeerfahrungen, und dennoch hat dieser Hund viel von uns abgefordert.

 

Kaum zu glauben – dieses Bild entstand nur 5 Monate nach dem Welpenbild!

Die Rasse stammt aus dem südlichen Afrika, wo die großen, kurzhaarigen Hunde für die Jagd auf Großwild und als Wachhunde gezüchtet wurden. Verschiedene Quellen berichten, dass die Hunde auch fürs Aufspüren und Ablenken von Löwen eingesetzt wurden, damit der Jäger kommen und den Löwen erlegen konnte. Die für dieses Leben nötigen Selektionskriterien sind noch heute in den Hunden zu spüren, denn sie mussten ausdauernd und mutig sein und selbstständig agieren. Klingt gut, ist aber für einen Familienhund in Mitteleuropa nicht ganz einfach.

Ein ausgewachsener Ridgeback ist eine imposante Erscheinung.

Diago ist tatsächlich selbstständig – er überlegt oft, ob der gegebene Befehl «Sinn» macht oder nicht. Regelmäßig überprüft er, ob eine einmal eingeführte Regel noch gilt oder ob er doch seinen eigenen Weg gehen kann. Ist er unangeleint unterwegs, fühlt er sich für die Situation verantwortlich und stellt sich der Gefahr in den Weg. Leider deckt sich seine Einschätzung, was nun gefährlich ist und was nicht, oft nicht mit meiner. Auf einsamen Waldwegen ist er jedem einsamen Wanderer (ja, die männliche Form ist korrekt, Frauen sind keine Bedrohung) gegenüber misstrauisch. Hat der Wanderer aber einen Hund dabei, ist alles ok. Ein plötzlicher Knall – mein früherer Hund hätte gedacht: «Huch, ist da Gefahr im Verzug?» und wäre rückwärts gesprungen. «He, was soll der Krach!», denkt Diago und stürmt ungehalten nach vorne.

Ridgebacks brauchen Arbeit und viel Bewegung. Agility bietet beides. Die perfekte Beschäftigung hat unser Diago allerdings im Mantrailing (Personensuche) gefunden.

Aber wir haben gelernt, miteinander durchs Leben zu gehen – bei Begegnungen mit einsamen Wanderern kommt er immer an die Leine. Entspannt, da ohne Verantwortung, zuckelt er dann vorbei. Auf jeden Fall fühle ich mich bei meinem Fußweg ins Büro, der durch den Wald führt, immer völlig sicher – auch im Winter, wenn wir durch die Dunkelheit marschieren.

Eine weitere Besonderheit der Rasse ist ihre Fokussiertheit auf wenige Menschen und ihre Reserviertheit gegenüber Fremden. Diago liebt sein Rudel, natürlich in erster Linie seine Familie, aber auch das Haupt-Team gehört dazu.

Als Spielkamerad von der Größe her an der oberen Grenze.

Er weiß genau, wer bei Haupt arbeitet – die sind alle ok. Die anderen Menschen interessieren ihn schlicht nicht, und er mag jenen Besuch am liebsten, der ihn ignoriert. Dafür ist ihm die Nähe seiner Hauptbezugsperson umso wichtiger – jede noch so kurze Trennung lässt ihn leiden, und nach zwei Minuten Abwesenheit freut er sich über meine Rückkehr so, als wäre ich eben von einer langen Reise zurückgekehrt.

Porträt eines Hundes mit rauer Schale und weichem Kern.

Diago passt auch nicht wirklich ins mitteleuropäische Klima: Sein kurzes Fell ohne jede Unterwolle schützt ihn kaum vor Nässe und Kälte. Daher hasst er Regen und bleibt ungläubig unter der Haustüre stehen, wenn wir uns bei Regen auf einen Spaziergang machen. Als er jünger war, hat ihm winterliche Kälte nichts ausgemacht – er war ja draußen sehr dynamisch unterwegs. Heute, wo alles etwas gemächlicher abläuft, friert er bei Minustemperaturen nach einer Stunde und will nur noch nach Hause in die Wärme.

Charakteristisch für die Rasse ist der Ridge auf dem Rücken, ein Streifen Haare, die in die andere Richtung laufen.

Für sein Alter ist er noch ziemlich fit und die Ecken und Kanten haben sich im Laufe der Jahre etwas abgeschliffen. Habe ich früher mit dem Blick ständig die nächste Umgebung gescannt, kann ich heute doch recht entspannt mit meinem Begleiter durch den Alltag gehen.

Nach der Arbeit schätzt Diago eine Pause.

Und daheim hat er seit zwei Jahren einen Hundekumpel, der ihn hoffentlich noch lange jung hält. Vom Hundekumpel gibt’s bald mehr …


 Buchcover



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