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Kochen mit Wildkräutern, Teil 3: Zucchinischeiben im Wildkräutermantel mit Leimkrautbeilage

Man darf es ja noch nicht laut sagen, ohne einen Aufschrei des Entsetzens zu riskieren, aber: Ganz langsam neigt sich der Sommer seinem Ende zu. Das hat einige bedauerliche Seiten, aber bringt auch Neues mit sich, worauf wir den Sommer lang warten müssen. Die einen fiebern der Pilzsaison entgegen, andere – wie ich – freuen sich über eine zweite Wildkräuter-Ernte an Standorten, die im Spätsommer gemäht werden.

Wenn Sie selbst bereits wilde (Berg-)Kräuter gesammelt haben, wissen Sie: Das Gericht, was daraus entstehen wird, ist nicht genau im Voraus planbar. Eine Bergwiese ist kein Supermarkt und niemand fühlt sich zuständig und füllt das Lager auf, wenn ich die «eingeplante» Pflanze nicht finde. Dieses Mal wurde ich auf meiner Wanderung in die wilde Kulinarik in dieser Hinsicht doppelt überrascht. Zum einen war der mir bekannte Dost-Standort nicht mehr auffindbar. Zunächst dachte ich, es gäbe womöglich viele Leser dieses Blogs, die sich zu einer ernst zunehmenden Sammel-Konkurrenz gemausert haben! Aber später dämmerte es mir – der Standort wurde vor einigen Wochen gemäht und der nachgewachsene Dost war noch zu klein, als dass ich ihn erkannt hätte. Ich hatte mit hohen Dolden gerechnet, wie in den Wochen davor!

Andererseits jedoch – und das spricht für meine Theorie, dass vor ein paar Wochen gemäht wurde – hat mich die Natur mit einer Fülle von Leimkraut im jungen Stadium überrascht, wie man sie sonst nur im Frühjahr findet. Daher gab es zu den geplanten gebratenen Zucchinischeiben im Kräutermantel, die den Dost leider entbehren mussten, als Entschädigung eine Beilage aus Leimkraut.

Die Ernte des Tages: Leimkraut, Thymian, Schafgarbe, Schlüsselblumen (und etwas Majoran aus meinem Garten)

Der Berg hinten sind junge Leimkrauttriebe. Wenn Sie es schwierig finden, Wildkräuter (und andere Pflanzen) im blütenlosen Zustand zu erkennen, empfehle ich Ihnen das Buch «Flora Vegetativa», ein Bestimmungsbuch für Pflanzen im blütenlosen Zustand.

Hier noch die jungen Triebe neben einer für das Leimkraut so typischen Blüte:

Aber nun zu den gebratenen Zucchinischeiben im Wildkräutermantel … (im Buch «Aromatische Bergkräuter» ist das Rezept auf Seite 67 als «Gebratener Sellerie» zu finden – da steht im Tipp geschrieben, dass es auch mit Zucchinis lecker wird).

Für die Zucchinischeiben hacken Sie die Kräuter klein, mischen diese mit 1–2 Eiern und würzen diese Mischung mit Salz und etwas Pfeffer. Wenden Sie die Scheiben zunächst in Mehl, dann in der Ei-Kräuter-Mischung, anschließend in Paniermehl und braten Sie sie in einer Pfanne von beiden Seiten auf mittlerer Flamme an, bis sie eine gold-braune Farbe angenommen haben.

Für die Beilage aus Leimkraut benötigen Sie pro Person eine Handvoll junge Leimkrauttriebe und eine kleine Zwiebel oder Frühlingszwiebeln und natürlich wieder Salz und oder eine Kräutersalzmischung (dazu gibt es übrigens auch ein Rezept im Buch!).

Das Leimkraut ist sehr schnell gar, daher braten Sie zunächst die Zwiebel an, geben Sie das Leimkraut dazu und lassen Sie es nur wenige Minuten bei geschlossenem Deckel mit garen.

Guten Appetit!


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