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Imkern als Hobby – Teil 4

Heute hat uns Vinzenz den vierten und letzten Teil von «Imkern als Hobby» gesandt.

Danke, Vinzenz, deine Berichte und Erklärungen sind alle spannend und lehrreich. Jetzt weiß ich, wie aufwändig es für die Bienen ist, Honig zu sammeln, aber auch wie aufwändig es für die Imker ist, die Bienenvölker zu pflegen und gesund zu erhalten. Was da alles beachtet werden muss! Ein wirklich schönes Hobby ist das. Ich ziehe meinen Hut vor allen Bienen und Imkern, welche es uns ermöglichen, feinen Honig auf den Sonntags-Zopf streichen zu können. Wenn ich Bienen begegne, danke ich ihnen im Stillen für ihre Arbeit.

Wer die ersten drei Teile von «Imkern als Hobby» verpasst hat: Hier könnt ihr sie nachlesen: Teil 1, Teil 2 und Teil 3

Lieber Vinzenz,

herzlichen Dank noch einmal dafür, dass du diese Beiträge für unseren Blog geschrieben hast und dich seit Jahren für die Biene einsetzt!

Elisabeth Homberger (Lektorat Haupt Verlag)


Nun aber zum Beitrag:

Honig, Wachs, Propolis und Pollen

Diese vier Bienen-Produkte kann jeder Imker, jede Imkerin von seinen Bienen sammeln lassen. Für die Bienenprodukte Gelee Royale und Bienengift haben wir Hobbyimker weder Sammeleinrichtungen noch Absatzmöglichkeiten.

Honig

Je nach Jahreszeit ist der Eintrag von Honig im Geschmack, in der Farbe und in der Konsistenz ganz unterschiedlich. Meine Bienen sammeln standortgebunden. Mit den Bienen zu wandern, andere Standorte anzufahren, Sortenhonige oder gar Massentrachten zu nutzen war bei mir nie ein Thema. Somit ist die Honigvielfalt auf zwei Honigsorten limitiert. Blütenhonig (Blütennektar) und Waldhonig (zuckerhaltige Ausscheidungen von Schild- und Rindenläusen). Diese Schild- und Rindenläuse sitzen gut getarnt, farblich angepasst an ihre Umgebung, zwischen den Nadeln der Fichten und Tannen. Je nach Entwicklungsgrad dieser Läuse gibt es mehr oder weniger ertragreiche Honigjahre. Unterschiedliche Ertragsmengen sind so von Jahr zu Jahr grossen Schwankungen unterworfen. Zwischen den zwei Haupttrachten tragen die Bienen ein Gemisch von Blüten- und Blatthonig ein. Jahreszeitlich genau richtig, die Bienenvölker können damit ihren täglichen Nahrungsbedarf meist selber decken.

Imkern über die Schultern schauen

Bin ich ferienhalber in andern Ländern unterwegs, werden Imker in der jeweiligen Region ausfindig gemacht und wenn möglich besucht. Obwohl überall mit dem gleichen Tier, der Honigbiene, gearbeitet wird, gibt es stets Interessantes zu hören und zu bewundern. So war mein Staunen auf einer Honigfarm in Tasmanien nicht mehr zu überbieten.

Honigdegustation in Tasmanien

Im Verkaufsladen standen sage und schreibe 56 Honigsorten zum Degustieren nebeneinander. Beim genaueren Hinsehen wurde dann aber klar, verschiedene Sortenhonige wurden angereichert mit getrockneten Früchten oder Gewürzen. Ja, da mache ich als Kleinst-Imker mit meinen zwei Honigsorten schon ein paar Fragezeichen. Warum bloss werden Sortenreine Honige derart gemischt und vermischt? Passt offenbar in unsere moderne, unersättliche Zeit. Für mein Empfinden von echt, von authentisch, keine Spur mehr. Ein Kulturschock, den ich nur so verstehen kann: «Andere Länder, andere Sitten». Interessant wäre wirklich zu beobachten, wie der Kunde, die Kundin auf dieses Honigangebot reagiert.

Im australischen Landesinneren begegneten wir einem Wander-Imker mit 1200 Bienenvölkern. In der Zeitspanne von 10 Monaten werden seine Bienenvölker mehrmals auf Transport-LKWs verladen, um jeweils eine neue Massentracht anzufahren, mit dem Ziel, 24 Sortenhonige pro Jahr zu ernten. Dazu fährt man insgesamt rund 1000 Kilometer hin und wieder zurück. Zwei Monate verbleiben die Bienenvölker auf dem Heimstandplatz, bevor das ganze Prozedere wieder von vorne losgeht. Ich bewundere unsere Honigbiene immer wieder von neuem, diese Anpassungsfähigkeit, diese Bereitschaft, ihr Arbeits-und Lebenswille!

Mangoplantage in Australien

In Nicaragua: Dank glücklichen Umständen durfte ich ein Bienenprojekt in Nicaragua besuchen. In einem Land, in dem die Armut überall zu sehen und allgegenwärtig ist. Ich konnte mithelfen beim Honig Ernten mit handbetriebenen Honigschleudern, inmitten von Sträuchern, hohem Gras weit draussen in grosser Einöde, ohne Strom, ohne Wasser. Die mittelamerikanischen Imker sind mit einer recht aggressiven Honigbiene konfrontiert. Den Bienenvölkern kann der Honigraum erst ab dem Eindunkeln abgenommen werden. Zuerst werden ca. 30 m vom Bienenstandplatze die benötigten Gerätschaften aufgestellt.

Um bei der Arbeit genügend zu sehen, wird bei Vollmond Honig geschleudert. Sobald der Mond am Himmel steht, können die Honigzargen mit ihren gefüllten Honigwaben abgenommen werden. Mit viel Rauch werden die Bienen besänftigt und mit einem Ruck aus der Honigzarge geschüttelt. Da die Arbeiten nachts erledigt werden, fliegen

Winde

einzelne noch verbliebene Bienen an den Honigwaben sofort zur Königin in den Brutraum zurück. Somit können in geringer Entfernung, außerhalb des Bienenstandplatzes, die Honigwaben in aller Ruhe abgedeckelt und geschleudert werden. In dieser unberührten Natur blüht im Januar vor allem die Winde, die bei uns in den meisten Fällen als Unkraut wahrgenommen wird. Der nicht kristallisierende Honig hat eine helle Farbe mit einem feinen, milden Aroma.

Dieser Imker-Besuch war ein Erlebnis besonderer Art!

Ich selber liebe es, überall, auch schweizweit, Honig für meinen eigenen Konsum zu kaufen. Es ist faszinierend, wie jeder Honig seiner geografischen Herkunft entsprechend einen eigenen charakteristischen Geschmack aufweist.

Auch Wabenhonig hat seinen eigenen Reiz. Eine Spezialität, die bei uns nur wenig bekannt ist. Wachs, Honig und ein kleiner Teil darin enthaltener Pollen werden mit dem Löffel abgestochen oder als kleine Wabenstücke aufs Brot gelegt und gegessen. Das Naturprodukt Bienenwachs kann dabei ohne weiteres geschluckt werden.

Wabenhonig

Bienenwachs

Bienenwachs ist ein reines Naturprodukt, das nicht gesammelt, sondern von unseren Honigbienen selber produziert, genauer gesagt ausgeschwitzt wird. Arbeiterinnen sind mit acht Wachsdrüsen an ihrer Bauchunterseite ausgestattet. Die ausgeschwitzte Flüssigkeit ist in erkaltetem Zustand als winzig kleine, weisse Plättchen sichtbar. Artgenossinnen nehmen diese den schwitzenden Bienen fortlaufend ab, kauen und verarbeiten das Wachs zu Wachszellen, mit einem leichten Winkel nach oben. Es entstehen Waben, Lagerraum für verschiedene Zwecke. Lagerraum für eingetragenen Nektar und Pollen, aber auch als Wiege für die Bienenbrut. Die gelbe Farbe des verarbeiteten Wachses entsteht durch Zumischen von Pollen und Propolis durch die Bienen. Bis zu ein Kilogramm Bienenwachs kann auf einem Bienenstand pro Standvolk, Jahr für Jahr gesammelt werden. Für Imker und die regionalen wachsverarbeitenden Betriebe ein hochwertiges, beliebtes Naturprodukt.

Wachsblöcke

Brutwaben sind einem besonders starken Alterungsprozess unterworfen. Nymphenhäutchen bleiben bei jeder Häutung der verschiedenen Brutstadien an den Zellwänden zurück. Die Waben werden dunkelbraun bis schwarz. Anfallende Altwaben werden sporadisch aussortiert und mittels Sonnen- oder Dampfwachsschmelzer umgehend eingeschmolzen. Schmutzpartikel verbleiben in einem Vlies (Filter) und goldgelbes reines Wachs fliesst in einen Auffangbehälter. Im Blockzustand ist das Wachs über Jahre lagerfähig.

 

 

Alleingelassene Altwaben hingegen sind Schädlingen ausgesetzt. Unbeaufsichtigte Wabenlager sind für die grosse Wachsmotte ein Festessen. Das Falterweibchen legt seine Eier wenn immer möglich in Bienenstöcke und Wabenlager. Die daraus resultierenden Larven fressen eiweissreiche Abfallprodukte, noch vorhandenen Pollen und das überaus wertvolle Wachs. Bienenwaben werden total zerstört. Das Nebenstehende Foto ist nicht in einer Bildergalerie geknipst worden, sondern in einem unbeaufsichtigten, wabenbestückten Bienenkasten. An den Seitenrändern schön zu sehen sind die Kokons der wachsfressenden Larven. Für den Imker ist das ein Verlust an Bienenwachs, das für immer verloren ist.

Wachsmotten im Bienenschrank

Eigener Wachskreislauf

Mittelwandpressen

Bienenvölker schwitzen Wachs vorab in den Frühlingsmonaten, in ihrer Wachstumsphase, nach dem Schwärmen, bei der Ablegerbildung, in Apideakästchen während der Königinnenzucht usw. aus. Bei umsichtig, sauber geführten Bienenvölkern wird jährlich ein Drittel der Waben im Brutraum ersetzt, in Form von Mittelwänden (Wachsplatten). Diese können bei Wachsverarbeitern eingekauft oder selber hergestellt werden. Es lohnt sich, auf eine rückstandsfreie Betriebsweise zu achten, das eigene Wachs zu verarbeiten, den eigenen Wachskreislauf aufzubauen. Dazu habe ich mir zwei ganz einfache, nicht wassergekühlte Mittelwandpressen aus Holz und Silikonkautschuk gebaut, die sich schon hundertfach bewährt haben.

Bienenwachskerzen

Ein herrlicher Duft strömt jeweils in ruhiger Winterszeit ums ganze Bienenhaus beim Giessen der Wachsplatten und wenigen Bienenwachskerzen. Übrigens; Bienenwachskerzen längere Zeit gelagert oder zur Dekoration auf einem Möbelstück aufgestellt, laufen mit der Zeit weisslich an. Das ist kein Wachsfehler sondern vielmehr ein Qualitäts-Zeichen des echten Bienenwachses und wird als Wachsblüte bezeichnet. Mit dem Haartrockner gewärmt, bekommt die Bienenwachskerze wieder den goldenen, gelben Glanz zurück.

Propolis oder Kittharz

Das sind zwei verschiedene Bezeichnungen für ein und dasselbe Bienenprodukt. Wie kommt das? Sind es doch zwei verschiedene Produkte? Nein, ist die Antwort. Beide Bezeichnungen sind richtig. Je nach Wortverwendung deuten sie auf unterschiedliche Verwendungszwecke hin. Je nach Interessen der Bienen oder der Imker.

Der von unseren Bienen eingetragene Baustoff stammt vom Baumbestand in unmittelbarer Nähe der Bienenstöcke, von harzüberzogenen Knospen und Baumrinden. Es sind dies in unserer Umgebung die Laubbäume Ahorn, Esche, Kastanie usw., aber auch von Nadelbäumen wie Tanne, Fichte, Lärche usw., sie liefern die im Frischzustand zähe, klebrige Harz-Masse. Heimgetragen wird das Sammelgut genau gleich wie der Pollen, nämlich an den Hinterbeinen.

Flugnische

Der Sammelinstinkt, harzhaltigen Baustoff zu sammeln, variiert von Volk zu Volk. Aber noch grösser ist der Unterschied zwischen den verschiedenen bei uns bekannten Bienenrassen. Besonders Propolis (Kittharz) sammelnd zeigt sich die Kaukasische Honigbiene. Bei ihr fällt sofort auf, dass sie den Eingang zu ihrer Bienen-Wohnung bis auf wenige kleine Öffnungen zukittet. Zum einen als Schutzwall, um räuberische Eindringlinge in Schach zu halten, zum andern um den Wärmhaushalt im Stockinnern zu optimieren.

Propolis ist schon lange bekannt als natürliches Antibiotikum. Von den Bienen wird er als desinfizierendes Mittel gegen Bakterien, Pilze und Viren genutzt. Sie überziehen ihre Bienenbeute, Holzrähmchen und selbst die Zellinnenwände damit. Je nach Baumart ist das Propolis hellbräunlich bis dunkelbraun. Kleinere Mengen an Propolis können in jedem Bienenstock gesammelt werden. So schiebt man im Schweizer Bienenkasten die Deckbrettchen über dem Volk nicht ganz zusammen. Sofort werden diese Spalten mit Propolis zugekittet. Durch Abkratzen mit dem Stockmeissel löst sich das Propolis mühelos. Propolis ist in verbautem Zustand hart und brüchig. 1 Biene bringt pro Sammelflug 10mg in den Stock oder absolviert 10‘000 Flüge für 100gr.

Propolissammelkasten

Imker/innen, die vermehrt Propolis sammeln wollen, um Tinkturen, Salben, Kapseln etc. herzustellen, können entsprechende Sammeleinrichtungen anschaffen. So gibt es im Handel engmaschige Kunststoffgitter, die auf die Holzrähmchen der Waben gelegt werden. Dabei ist zu beachten, dass die konischen Schlitze nach oben offen sind. Verpropolisierte Gitter werden für einige Stunden ins Tiefkühlfach gelegt und im gefrorenen Zustand durch leichtes Bewegen vom Propolis befreit.

Eine elegante, saubere, qualitätsorientierte Gewinnung von Propolis wird im nebenstehenden Bienenkasten angewendet. An der ostseitigen Kastenwand (Biswindseite) befinden sich mehrere Löcher. Mit den angebrachten Rondellen kann der Imker die Öffnungen ins Kasteninnere den Witterungsverhältnissen anpassen und regulieren. Im Innern des Bienenkastens hängt ganz nahe der Löcher (Zugluft) eine Sammelmappe aus Chromstahl, die so konzipiert ist, dass Arbeiterinnen die Möglichkeit haben, darin Löcher zu stopfen. Aber an der glatten Chromstahlwand haftet das Propolis nicht und fällt ins Innere der Mappe.

Pollen

In den Sommermonaten bringen Bienen Blütenpollen in grossen Mengen in den Bienenstock. Diese werden als Nahrung für sich und für die Bienenlarven eingetragen, aber auch als Vorrat von den Arbeiterinnen in vorhandene Wabenzellen eingelagert und koserviert. Haltbar gemacht als sogenanntes Bienenbrot. Ist wetterbedingt kein Bienenflug möglich, bringt das die Bienen in keinen Versorgungsengpass.

Pollenfalle

Als Imker hat man die Möglichkeit, Blütenpollen während der Hauptblütezeit zum eigenen Konsum oder zum Verkauf zu sammeln. Dazu braucht es eine Pollenfalle. Diese wird an Stelle des Magazinbodens untergeschoben oder kann beim Schweizerkasten auch vor die Flugnische montiert werden. Pollensammelnde Flugbienen streifen beim Heimkehren in den Bienenstock einen Teil der Pollenhöschen beim Eintreten in den Bienenstock ab, diese fallen in eine Gittergeschützte Schublade. Um zu vermeiden, dass der frisch eingetragene Pollen Feuchtigkeit aufnimmt und anfängt zu schimmeln, wird die Pollenfalle täglich jeden Abend geleert und der gesammelte Pollen tiefgekühlt. In einem weiteren Schritt dann gereinigt und getrocknet. Zu meinem Frühstück gehört jeden Tag ein Teelöffel getrocknete Blütenpollen. Auf der Zunge wirkt der Pollen etwas herb und bitter. Wer das nicht liebt, konsumiert diese vitaminreiche Ergänzungsnahrung im Joghurt oder Müesli.

Pollen

Pollen im Verkauf

Die schweizerische Pollenimkervereinigung nimmt jeweils Ende der Pollensaison gesammelten Blütenpollen zur Verarbeitung entgegen. Als getrockneter oder als tiefgekühlter Frischpollen kommt er in den Verkauf.

Im allgemeinen Verständnis unserer Bevölkerung sammelt unsere Honigbiene eigentlich Honig. Der Sammelinstinkt kann aber, wie oben erwähnt, mit speziell konzipierten Sammeleinrichtungen auf einer anderen Ebene stattfinden. Diese Zusatzeinrichtungen garantieren eine hohe Qualität des angestrebten Sammelgutes, das zu verschiedenen Zwecken weiterverarbeitet werden kann und als natürliches Heilmittel oder Nahrungsergänzungsmittel Anwendung findet. Es versteht sich von selbst, dass jene Bienenvölker, die zu Propolis oder Polleneintrag angehalten sind, sehr wenig Honig eintragen werden, da sie durch imkerliche Lenkung, zielgerichtet anderen Aufgaben ihre Aufmerksamkeit schenken.


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