Sie sind hier: / Magazin / Natur


Imkern als Hobby – Teil 3

Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2 der Bienen- und Imkerserie von Vinzenz Meyer.

Die Honigbienen auf unserem Bauernhof:

Zwei eminent wichtige Monate des Imkerns

Juni: Hier wird der Grundstein gelegt punkto Vitalität und Gesundheit der Bienenvölker fürs kommende Jahr. Königinnenzucht ist das Schlüsselwort. Junge Königinnen bringe ich in Apidea-Kästchen mit 120 gr. Bienen auf eine A-Belegstelle. Im Folgejahr sorgen diese für den nötigen Schwung: Bienenvölker, die sich rassig entwickeln, einen guten Putztrieb aufweisen, durch ihr emsiges Treiben den Bautrieb leben, sich vital präsentieren.

Apidea-Begattungskästen im Justistal

Die Jungköniginnen werden nach erfolgreicher Begattung in grössere Einheiten umlogiert und können sich dort zu vollwertigen Königinnen weiterentwickeln. Mit zunehmender Legeleistung nimmt auch die Pheromon-Produktion zu, was wiederum günstig ist für ihre Annahme beim Einweiseln in ein Standvolk Ende September.

Juli: Das Bienenjahr beginnt nicht, wie wir Menschen es gewohnt sind, mit dem Kalender im Januar, sondern bereits im Spätsommer. Die letzten Sommerbienen haben sich «abgearbeitet». Die kommenden Generationen ab August bezeichnen wir als Winterbienen, d.h. sie leben nicht nur einige Wochen, sondern mehrere Monate. Hier zeigt sich, ob ein Imker sein Handwerk versteht. Die Bienen wollen nämlich gut genährt und gesund in die kalte Jahreszeit starten. Nur Bienen mit einem soliden Fettkörper und ohne die leidigen Blut saugenden Parasiten am Körper. Ende des Monats Juli muss die Varroamilbe mit empfohlenen Bekämpfungsmitteln auf ein Minimum dezimiert werden. Nur bestmöglich umsorgte Bienenvölker werden den Frühling im nächsten Jahr erleben.

 

Zeit für Ferien – eine oft gestellte Frage

Ich wundere mich immer wieder, was für einen Stellenwert das Wort «Ferien» in unserer Gesellschaft hat. «Freizeit» ist doch mit Ferien gemeint. Oder Zeit haben für Musse und Erholung, für ein Hobby. Grundsätzlich soll ein Hobby Ausgleich zum Alltag sein.

Nichts spricht gegen Ferien. Imker werden heisst: Pflichtbewusst Bienen betreuen und pflegen. Es ist aber klar, Bienenhaltung setzt eine genaue Planung gemeinsamer Familienferien voraus. Ab Mitte März bis Mitte August verschwende ich keine Gedanken an Ferien im Sinne von «längere Zeit wegfahren». Das wäre für mich buchstäblich ein Stressfaktor.

 

Bienen und Natur wollen beobachtet sein

Der Entwicklungsrhythmus eines Bienenvolkes wird von der Natur vorgegeben. Es ist die Aufgabe des Tierhalters, in unserem Fall des Imkers, die notwendigen Massnahmen zu erkennen und zu begleiten: Nicht zu früh und nicht zu spät eine Raumerweiterung vorzunehmen, die Flugfront und die Gesundheit des Bienenvolkes zu beobachten, die Futterreserven im Auge zu behalten, auf Nektar-Eintrag zu reagieren, die Varroaentwicklung stetig zu kontrollieren. Auch dazu gehört, Schwärme einzufangen oder abgeschwärmte Völker zu betreuen.

 

Ungeplantes voller Spannung

So hat sich diesen Frühling ein Bienenschwarm unmittelbar neben dem Bienenhaus in ein Drahtgeflecht, das einen jungen Baum schützt, hineingesetzt (Bild links).

In eine Schwarmkiste wischen, geht in einem solchen Fall unmöglich. Meine Überlegung: eine Zarge (Bienenwohnung), gefüllt mit Wabenrahmen mit neu eingelöteten, wohlriechenden Mittelwänden (Wachsplatten) unmittelbar daneben hinstellen. Dann würde der Bienenschwarm doch hocherfreut in die Bienenwohnung einziehen. Weit gefehlt. «Kein Interesse» war die Antwort. Eine andere Idee war gefragt. Also holte ich eine Brutwabe aus einem meiner Bienenvölker, hängte eine solche in die Zarge und siehe da, es klappte. Sofort nahmen die Spurbienen Kontakt zum Flugloch auf, es wurde währenddessen Nacht und bis zum anderen Mittag besiedelte der Schwarm die hingestellte Wohnung, ja sogar die Königin war mit dabei. Inzwischen freue ich mich über ein gut gedeihendes Bienenvolk.

Brutwabe

 

Überlebenschance

Hausabbruch – Schwarm in Hausfassade

Ein Bienenschwarm, der auszieht, sich unbeaufsichtigt irgendwo niederlässt ohne ein schützendes Dach über dem Kopf, Wind und Wetter (Regen) ausgesetzt, hat kaum eine Überlebenschance.

Ein Zwischenraum in einer Fassadenwand ist ein möglicher Zufluchtsort. Ein solcher Bienenschwarm kommt ohne Zweifel vorerst gut mit seiner Situation zurecht, er entwickelt sich auch prächtig, baut sich eine Wohnung und lagert Winterfutter ein, ist aber ab sofort ohne menschliche Hilfe auf sich allein gestellt.

Bis zum Zeitpunkt des längsten Tages im Jahr wachsen Bienenvölker stetig. Wir bezeichnen das mit «Höhepunkt der Volksstärke». Ab Ende Juni nimmt die Legeleistung der Königinnen ab. Die Bienenvölker werden kleiner. In der Folge verteilen sich vorhandene Varroamilben auf immer weniger erwachsene Bienen. Kränkelnde, geschwächte Völker sind die Folge.


Fürsorgliche Betreuung

Es gibt keine varroafreien Bienenvölker mehr. Explizit auch keine wilden Schwärme in einer Hausfassade oder einem hohlen Baumstamm. Bienenvölker, die nicht betreut werden, sind unweigerlich dem Tod geweiht.


Grosse Aufmerksamkeit

Kontinuierliche Überwachung der Varroa ist unumgänglich. Die Varroa ist eine Milbe, die sich mit Haftlappen an den Fusssohlen nicht nur an die erwachsenen Bienen anhaftet, sondern schon an Bienen im Puppenstadium. Sie sticht diese mit ihrem Mundwerkzeug an, um Bienenblut zu saugen. Die erwachsenen Bienen werden geschwächt. Je mehr von diesen Parasiten im Bienenvolk anzutreffen sind umso schwächer ist sein Gesundheitszustand. Die Anfälligkeit für Krankheiten nimmt zu.

 

Mit der Varroamilbe leben

Bienenkiste auf dem Kopf

Seit rund vier Jahrzehnten beschäftigt uns die Varroamilbe. Die Bienen dienen den Parasiten als Zwischenwirt. Jeder Imker weiss heute darüber Bescheid, wie sich die Milben im geschützten Raum der verdeckelten Brutzellen entwickeln und vermehren. Der Imker trägt während des Sommers mit umsichtigem Handeln dazu bei, Varroamilben-Populationen rechtzeitig zu erkennen und sie zu reduzieren.

Auch Hobbyimker, die aus ökologischen Aspekten nur ein Bienenvolk mit Naturbau in einer sogenannten Bienenkiste halten, sind in der Pflicht, die Varroamilben unter eine minimale Schadschwelle abzusenken. In erster Linie um ihr Bienenvolk unbeschadet und gesund über den Winter zu bringen, aber auch um Nachbarvölker nicht mit der Milbe zu parasitieren. Eine einfache Bienenkiste sollte demzufolge – wie im Bild zu sehen – von hinten und vom Boden her geöffnet werden können.

Öffnen der Bienenkiste


Varroa-Kontrollunterlage

Die einen nennen diese Unterlagen Windeln, andere Schieber. Diese Gitter-geschützten Unterlagen geben Aufschluss über den aktuellen Zustand des Bienenvolkes. Wöchentlich kontrolliert – ohne die Völker öffnen zu müssen – zeigen sie auf einfachste Weise, was im Bienenvolk los ist.

Varroaunterlage im Winter

Die Unterlage «im Winter» zeigt, wo das Bienenvolk sitzt, wie gross /stark es ist und wie sein Futterverzehr aktuell aussieht.

Varroaunterlage im Sommer

Auf der Unterlage «im Sommer» sieht man den aktuellen Varroamilben-Fall. Das heisst, so kann es aussehen nach einer ersten Varroa-Behandlung der Bienenvölker Ende Juli. Jeder dunkle, leicht ovale Punkt auf der Unterlage ist eine 1,3-1.6 mm grosse, ausgewachsene Varroamilbe, die vor ihrem Fall auf einer Biene als blinder Passagier sass und Bienenblut saugte.


Varroamilben-Management

Der Gesundheitszustand der Winterbienen ist entscheidend für eine erfolgreiche Überwinterung. Die heranwachsenden Winterbienen ab Monat August sollen mit minimaler Parasitenbelastung den Winter antreten. Bienenvölker-Verluste haben nach heutigen Kenntnissen mit zu hoher Milbenbelastung zu tun.

© 12019/Pixabay

 

Das Bienensterben ist in aller Munde

Es führt kein Weg an der Milbenbekämpfung vorbei. Der Markt kennt viele Produkte und Wege. Von Wärmebehandlung varroabelasteter Brutwaben bis zur Bekämpfung mit chemischen Produkten. Eigene Tüfteleien sind fehl am Platz. Die Forschung zeigt klare Wege auf: Dazu gehören nach wie vor organische Säuren oder Thymolprodukte. Diese werden nach der Waldhonigernte, ab letzter Juli-Woche empfohlen und eingesetzt. sechs Wochen später, nach erfolgter Winterauffütterung, wird eine zweite Milbenbekämpfung durchgeführt.

© Piscisgate/Wikimedia Commons/CC-BY-SA-4.0

Die Königinnen beenden ihre Legetätigkeit nach dem ersten Frost. Das bedeutet, dass die Bienenvölker drei Wochen später Brutfrei werden. Allfällig überlebende Milben können sich ab sofort nicht mehr in den Brutzellen verstecken und sitzen allesamt ab ca. Mitte Dezember auf den Bienen. Das ist der Zeitpunkt der Restentmilbung. Von da an gehen unsere Bienenvölker in die verdiente Winterruhe.

Auf chemische Mittel zur Varroabekämpfung ist zu verzichten, da sie Resistenzen fördern können und Rückstände in Wachs und Honig im kommenden Jahr verbleiben können.

 

Wie kam ich zum Imkern?

(Im ersten Beitrag versprach ich, im Sommer-Beitrag davon zu erzählen)

Es ist mehr als 40 Jahre her. Bienen waren auf unserem Bauernhof nie ein Thema. Ein Jahr vor der Hofübernahme machte ich an einem wunderschönen, sonnigen Sonntagnachmittag einen Spaziergang in meinen zukünftigen Wald. Der Grund dafür war, dass verschiedene Gebäude saniert werden mussten, wozu es Bauholz brauchte. Ja, und da stand ich, wie in einem früher gelernten Lied; «ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm…». Und tatsächlich, was ich da sah, machte mich wirklich stumm. Das Tannenholz, das ich begutachten wollte, war urplötzlich kein Thema mehr. Warum bloss?

Der Waldboden, die Brombeersträucher, alles war regelrecht «pflotschnass». Es regnete seit Tagen nicht, auch an diesem sonnigen Sonntagnachmittag war kein Gewitter unterwegs, kein Wolkenbruch über dem Wald, kein bisschen Regen in Sicht.

Und dann, nach einer (langen, langen) Weile, das Aha-Erlebnis: Es summte überall. Wie Schuppen fiel es von meinen Augen. Es regnete Honigtau! Geprägt von diesem Naturschauspiel war klar, auf unseren Bauernhof gehört ein Bienenhaus. Es ist aber auch klar, solche Honigtaujahre gibt es nur sehr, sehr selten. Verantwortlich dafür sind die Honigtauläuse.

Die diesjährige Honigtau-Ernte (Waldhonig-Ernte) wird als sehr klein in die Geschichte eingehen. Die Honigtauläuse entwickelten sich kaum. Freuen können wir uns trotzdem, es gab reichlich Blütenhonig. So unterschiedlich die Honigerträge sein können, so faszinierend erleben wir unsere Bienen Jahr für Jahr.

Aber jetzt begleiten wir Imker unsere Bienen vorerst mit den Jahreszeitlich gebundenen, richtigen Entscheidungen in ein erfolgversprechendes neues Jahr.

Alle Abbildungen, wenn nicht anders bezeichnet: © Vinzenz Meyer, Willisau


Etwa alle drei Monate schreibt Vinzenz Meyer, Hobby-Imker, hier Interessantes und Wissenswertes über die Biene und die Imkerei . Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2.

Fragen rund um die Honigbiene und rund ums Imkern leiten wir gerne an Vinzenz weiter.


 BuchcoverBuchcoverBuchcoverBuchcover