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Heilsame Wildpflanzen – Spätsommer

© Frank Hecker/www.naturfoto-hecker.com

Während im Spätsommer noch die letzten Wildpflanzen blühen, haben die meisten bereits reife Früchte gebildet. Die Fruchtreife der Vogelbeeren zeigt gemäß des phänologischen Kalenders den Spätsommer an.

Im Zyklus des phänologischen Kalenders wandeln wir vom Vorfrühling bis zum Winter auf den Spuren der Natur und entdecken heilsame Wildpflanzen neu – das ist der sechste Beitrag in dieser Reihe.

Um für den Winter gewappnet zu sein, werden im Herbst Vorräte an heilsamen Wildpflanzen angelegt. Eine davon ist die violett-blaue Wegwarte.

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Hinter dem Namen der Wegwarte verbirgt sich eine tragische Sage. Gemäß dieser handelt sich bei der Wegwarte um ein verzaubertes Mädchen, das am Wegrand ewig treu auf die Rückkehr ihres Geliebten wartet. Am Morgen öffnen sich die Blüten der Wegwarte in der Hoffnung, den Geliebten in die Arme schließen zu können, bis sie dann traurig ob des vergebenem Wartens am späten Nachmittag die Augen wieder schließt.

Früher hat die Wegwarte viele Wegränder gesäumt, heute ist sie an vielen Orten verschwunden. Dies ist um so trauriger, da auch das Wissen um die arzneiliche Wirkung der Pflanzen fast verloren gegangen ist. Denn nicht nur die Wurzeln, sondern auch Blätter und Blüten enthalten Bitterstoffe, die als magenstärkende Arznei verwendet werden können.

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Am besten sammelt man die Blüten der Wegwarte am späten Vormittag, da sie im direkten Sonnenlicht um die Mittagszeit bereits verbleichen. Die Blüten sollten sparsam gepflückt werden und nur dort, wo grössere Bestände der Wegwarte vorhanden sind. Zum Trocknen die Blüten im Schatten auf einem Küchentuch ausbreiten.

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Die Wurzeln werden im Spätsommer nur für den Sofortgebrauch geerntet. Zuerst den Boden rings um die Pflanze lockern, dann vorsichtig tiefer graben und die Wurzeln herausziehen. Gründlich die Erde von der Wurzel bürsten und unter fließendem Wasser abspülen. Als nächstes sollten Sie die Wurzel in kleine Stückchen schneiden und zum Trocknen auslegen (funktioniert auch mit Dörrapparat oder Backofen)

Wegwartenblütentee

Der Tee kann aus Blüten und Blätter der Wegwarte hergestellt werden.

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Dafür einen Teelöffel der Pflanzenteile mit einer Tasse heißen Wassers überbrühen. Den Tee drei bis fünf Minuten ziehen lassen. Erstaunlicherweise verlieren die blauen Blüten dabei ihre Farbe und werden durchsichtig. Laut Sebastian Kneipp reinigt ein Tee aus Wegwarte Magen, Galle, Leber, Milz und Nieren und führt die ungesunden Stoffe durch den Urin aus.

Wegwartenwurzeltee

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Für die Herstellung des Tees geben Sie zwei Teelöffel getrocknete Wurzeln in einen Topf mit 250 ml kaltem Wasser und lassen es erhitzen. Zwei bis drei Minuten köcheln lassen und dann abseihen. Der Tee sollte unbedingt ungesüßt getrunken werden, damit die Bitterstoffe der Pflanze gut wirken können.

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Alle Informationen stammen aus dem Buch «Heilsame Wildpflanzen» von Katrin und Frank Hecker.


Dieser Beitrag erscheint in einer Reihe. Zu jeder phänologischen Jahreszeit stellen wir eine prototypische Wildpflanze vor und zeigen, wofür sie verwendet werden kann.


 Buchcover