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Die Sense – Möglichkeiten und Vorteile für die Gartenarbeit

Die Sense war einst aus der Landwirtschaft nicht wegzudenken. Heute wird sie langsam wiederentdeckt – von Menschen, die die Natur lieben und schützen wollen und ein traditionelles Handwerksgerät einer lauten Maschine vorziehen. Doch haben Sie schon einmal überlegt, das Gras in Ihrem Garten mit einer Sense zu mähen?

Für unser Online-Magazin zeigen Ian Miller und seine Frau Andrea in einem zweiteiligen Gastbeitrag, welche Vorteile und Möglichkeiten das Mähen mit der Sense bei der Arbeit im Garten bietet.

© David Cavagnaro

Die ursprüngliche Mäh-«Maschine» war die Sense. Vor ungefähr 700 Jahren entstand in Mitteleuropa eine besondere Art von Sense, die heute die «österreichische» oder «europäische», sowie «kontinentaleuropäische» Sense genannt wird. Im Grunde genommen ist diese Sense ein Stück Stahl, das gewölbt und zur Mähbewegung angeglichen geschmiedet und danach geschärft wurde und an einem langen Stiel befestigt ist. Dieser Stiel wird je nach Örtlichkeit «Worb», «Wurf», «Baum», oder einfach Sensenstiel genannt. Österreichische Sensen sind leichtgewichtig, sie tragen zu einem kraftsparenden Bewegungsablauf bei und können je nach Art des Grases unterschiedlich gedengelt werden.
Richtig verwendet und kompetent gepflegt, bietet das Handwerkzeug Sense einen überraschend hohen Grad an Wirksamkeit und Effizienz. Sobald eine oder mehrere Sensen zu Ihrer Ausstattung gehören, kann dies zu einem bisher ungeahnten Grad von breitgefächerter Garten- und Landkultivierung beitragen!

© Sandra Pond

Die wahrscheinlich wichtigsten Aspekte der Anwendung einer Sense ist das kosteneffektive und effiziente Heuen per Hand: Da die Sense ein kostengünstiges und effektives Werkzeug ist, können sie Heu in Hülle und Fülle – ohne laufende Kosten – machen.
Mit einem guten Vorrat an Heu lassen sich eine lange Liste an vorher unwahrscheinlichen landwirtschaftlichen Projekten verwirklichen: sie können nun eine Milchkuh oder eine kleine Herde an Schafen oder Ziegen durch den Winter bringen und daher Milch und Fleisch produzieren.
Weiter kann Heu als Mulch verwendet werden: Haben Sie schon einmal einen Gärtner gefragt, warum sie/er nicht mulcht? Der Grund dafür ist oft die Logistik: Wo kann Mulch gekauft werden? Wie kostspielig ist es? Wie kann er transportiert werden? Die Lösung des Problems, der Gratis-Mulch, wächst jedoch vor den Augen der Gärtnerin/des Gärtners: das Gras in der eigenen Wiese! Man braucht eben nur das Know-How und das richtige Werkzeug! Während anderes Mulchmaterial eventuell den Vorteil von weniger Samen beinhaltet, hat Mulchen mit Heu folgende Vorteile für den Garten: die Erde bleibt länger feucht, ist stabiler gegen Auswaschen, reicher an organischen Substanzen und die Erntesaison ist länger. Manchmal muss vor dem Mulchen gegen Schneckenplagen vorgegangen werden.Darüber hinaus kann mit der Sense kontinuierlich Material für das «Schicht-Mulchen» hergestellt werden. Dabei wird eine dicke Schicht von Mulch und Unkraut unterdrückenden Lagen auf die Beete gebracht. Die unterste Schicht kann Samen enthalten, wie zum Beispiel Heu, und darauf kommen mit der Sense gemähtes Stroh und Laub.

Heu ist außerdem sehr bedeutsam für den Hühnertraktor: Wenn ein solcher beweglicher Hühnerstall über einen längeren Zeitraum auf einem neu zu erstellenden Beet gestellt und täglich mit etwas Heu eingestreut wird, picken die Hühner die Samen aus dem Heu, düngen und verdichten das Heu indem sie einfach darauf herumspazieren. Dadurch entsteht eine «Mulchmatratze». Schon nach einigen Wochen kann der Traktor weiterbewegt und das von den Hühnern vorbereitete Beet kultiviert werden.
Schlussendlich trägt das Heuen mit der Sense auch zur Herstellung eigener Komposterde bei: Küchenabfälle alleine erzeugen nicht unbedingt auf einfache Weise eine gute Komposterde. Idealerweise sind Küchenabfälle nur ein kleiner Teil von einer Mischung mit vielen kohlenstoffhaltigen Anteilen, wie Heu und Stroh, und stickstoffhaltigem Mist. Der letztere mengt der Kompostmischung auch noch hilfreiche Mikroorganismen bei. Regelmäßiges Mähen mit der Sense und das Halten von Vieh bringen somit die wichtigen Zutaten für einen gelungenen und andauernden Kompostierprozess.

Im zweiten Teil des Gastbeitrages zeigen Ian und Andrea Miller weitere Möglichkeiten auf, wie man die Sense im Garten einsetzen kann.

Andrea und Ian Miller

Ian Miller studierte Agrarökologie an der Uni Kalifornien. Im Rahmen seines Studiums arbeitete er auf einem biologisch-dynamischen Bauernhof in Kärnten in Österreich, wo er die Sense entdeckte und sogleich von diesem traditionellen Handwerksgerät fasziniert war. Er wohnt mit seiner österreichischen Frau Andrea und zwei Kindern in seinem heimischen Bundesstaat Iowa/USA.

Facebook: www.facebook.com/TheScythingHandbook
Twitter: @millerbakery


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