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Invasive Gartenpflanzen: Interview mit Norbert Griebl

In seinem neuen Buch «Gärtnern ohne invasive Pflanzen» stellt Norbert Griebl 70 invasive Pflanzen vor, die immer noch häufig in unseren Gärten und Parks angepflanzt werden und bereits jetzt Probleme verursachen oder zukünftig zu einem Problem werden könnten. Er empfiehlt zu jeder Pflanze eine heimische Alternative, die gut in einen ökologisch wertvollen Garten passt.
Wir wollten von ihm wissen, was Gartenbesitzer gegen die Ausbreitung invasiver Pflanzen tun können und wie er die zum Teil polemisch geführte Diskussion um die Bekämpfung invasiver Pflanzen sieht.

Typische Bahndammvegetation mit Götterbaum und Kanadischer Goldrute

Herr Griebl, was sind invasive Pflanzen?
Als invasive Pflanzen bezeichnet man alle Pflanzenarten, die sich unbändig ausbreiten, zumeist fremdländische Arten, die bei uns keine Gegenspieler wie Freßfeinde haben und so leicht überhand nehmen können.

Die Diskussion um den Umgang mit invasiven Pflanzen wird zum Teil sehr heftig und auch polemisch-politisch geführt. Wie sehen Sie diese Debatte?
Ja leider. Das ist sehr schade, denn eigentlich ist es ein sachliches Thema, an welches sachlich herangegangen werden sollte. So ist es Tatsache, dass invasive Pflanzen dem Gesundheitswesen der mitteleuropäischen Staaten hohe Kosten verursachen und vor allem ökologisch ein zeitlich drängendes Problem sind. Lautstark zu Wort melden sich leider oft Leute, denen Biodiversität nicht viel bedeutet und die sich hier polemisch für das unantastbare Bleiberecht aller invasiven Neophyten einsetzen.

Muss man invasive Pflanzen um jeden Preis verhindern?
Ich glaube, man muss immer abwägen, ob eine Bekämpfung von bestehenden invasiven Arten Sinn macht oder nicht. Sicher der falsche Weg ist es, nun alles, was als invasiv deklariert ist, zu bekämpfen. Dass es aber sehr wohl Fälle gibt, in denen es erfolgsversprechend ist, zeigen Aktionen wie im Naturschutzgebiet Weng in Salzburg, wo jetzt wieder eine reiche Artenvielfalt vorherrscht, wo vor wenigen Jahren nur mehr Springkraut zu sehen war. Man benötigt allerdings ein vorher durchdachtes Konzept und eine Kostenplanung, denn solche Aktionen gehen immer über mehrere Jahre und bedürfen auch nachher einer Kontrolle.

Ändert sich die Zusammensetzung der Arten nicht sowieso? Und sind wir nicht auf neue Pflanzen angewiesen, die mit den sich verändernden klimatischen Bedingungen gut zurechtkommen?
Kurz kann man beide Fragen mit Ja beantworten. Es wäre aber doch zu einfach, den Naturschutz nun den Folgen der sich ändernden Umweltbedingungen hinten anzustellen. Eine teilweise wechselnde Artenzusammensetzung ist allein aufgrund des erhöhten Nährstoffeintrages in unsere Böden und der sich ändernden Klimabedingungen die Folge und macht auch einen Teil des Artenverlustes wett. Dies ändert aber nichts daran, dass es wichtig ist, die heimische Artenvielfalt nach Möglichkeit zu erhalten. Jede Magerwiese, jedes Niedermoor und jede heimische Wildpflanze im Garten ist wertvoll.

Der Japan-Flügelknöterich (Fallopia japonica) kann bis zu 2,5 Meter hoch werden.

Weder verwandtschaftlich noch vom Aussehen her gibt es ein heimisches Äquivalent zum Japan-Flügelknöterich. Wenn man jedoch Wuchsfreude, Ausbreitungsdrang und Standortansprüche heranzieht, dann kommt der Attich (Sambucus ebulus) infrage.

Warum richtet sich Ihr neues Buch ausdrücklich an Gartenbesitzer? Was kann man als privater Gärtner/Gärtnerin gegen die Ausbreitung von Neophyten tun?
Die meisten der Neophyten sind eine Bereicherung der Landschaft und der Artenvielfalt. Sie integrieren sich harmonisch in die bestehenden Pflanzengesellschaften oder wachsen auf Ruderalstandorten, bei denen jede Pflanze besser ist als keine. Einige Arten allerdings schießen übers Ziel hinaus und kennen scheinbar keine Grenzen. Ein Großteil von diesen hat sich über Gärten in die Landschaft verbreitet und dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Daher ist es als Gartenbesitzer schon wesentlich, welcher Art ich in meinem Garten ein Plätzchen einräume und welcher nicht.

Im Buch stellen Sie auch Pflanzen vor, die noch nicht zu den invasiven Arten zählen, die aber das Potenzial haben, solche zu werden. Wie kam diese Auswahl zustande?
Bei den gegenwärtig invasiven Arten ist die Bekämpfung oft eine hoffnungslose oder doch eine sehr beschwerliche. Man müsste Methoden anwenden, die zu hinterfragen sind oder es würden unverhältnismässig hohe Kosten entstehen. Anders sieht das allerdings bei Arten aus, bei denen wir heute schon wissen, dass sie, etwa bei einer Klimaerwärmung, das Potential haben, auch bei uns invasiv zu werden. Solche Arten, wie etwa das Großblütige Heusenkraut, wären sehr leicht und ohne großen Aufwand schon im Vorfeld als Problempflanzen abwendbar, wenn stattdessen eine passende heimische Alternative für den Garten gewählt würde.

Striemensame

Haben Sie unter den Alternativen, die Sie im Buch vorstellen, eine Lieblingspflanze? Welche ist das?
Wann immer es möglich ist, arbeite ich als Landschaftsgärtner mit heimischen Pflanzen. Sie sind für das ökologische Gefüge und vor allem für die Insektenwelt von Bedeutung. Eine dieser heimischen Prachtstauden ist der Striemensame, ein Doldenblütler, der wild unter anderem in der südlichen Schweiz wächst und der auch im Garten das ganze Jahr über ein gepflegtes Bild abgibt. Er riecht ein wenig nach Suppenbrühe, aber die Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge lieben ihn und man kann fast durchgehend Blütenbesucher auf seinen gelblichweißen Dolden beobachten.

Norbert Griebl, Gärtnermeister und Kräuterpädagoge, beschäftigt sich seit Kindesbeinen intensiv mit Wildpflanzen. Sein Spezialgebiet sind heimische Orchideen und andere Wildstauden. Botanische Exkursionen führten ihn bereits in alle Kontinente. Er lebt in Stainz, Österreich.

 

Copyright Fotos: Norbert Griebl


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