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HauptAutorin: Brunhilde Bross-Burkhardt

Ein Garten macht nicht nur viel Freude, sondern auch viel Arbeit. Das wissen alle, die ab und zu zu Gartenschaufel und Hacke greifen. Auch unsere Autorin Brunhilde Bross-Burkhardt weiß, wovon sie spricht und möchte mit ihrem neuen Buch «Viel Garten – wenig Zeit» aufzeigen, wie man trotz Zeitmangel Spaß am eigenen Garten hat. Dank ihrer wertvollen Tipps und praktischen Anleitungen wächst einem die Gartenarbeit nicht mehr so schnell über den Kopf, und der Garten wird nicht mehr zur Last, sondern zu einem Ort der Erholung.

Foto: Wernhild Baars

Im Interview mit uns erzählt sie, weshalb vielen Menschen die Gartenarbeit zu viel wird, was man dagegen tun kann und warum ein toter Garten nicht die Lösung ist.


Die meisten Bekannten, denen ich von Ihrem neuen Buch «Viel Garten – wenig Zeit» erzählt habe, meinten sofort: «Das brauche ich!»
Weshalb wächst vielen Menschen die Gartenarbeit über den Kopf?

Viele Mitmenschen müssen viel Zeit für ihre alltäglichen Verpflichtungen aufbringen; da gerät der Garten schnell ins Hintertreffen. Aber wenn man ihn nur wenige Wochen vernachlässigt, sieht er einfach nicht mehr so ordentlich aufgeräumt aus wie auf den Bildern in den Gartenmagazinen. Viele Gartenanfänger streben aber genau danach, diese Bilder nachzuahmen, sie wollen mit ihrem Garten wie mit ihrem Wohnzimmer repräsentieren. Von solchen Gedanken, von solchem Perfektionismus muss man sich befreien und alles etwas gelassener angehen. Im Garten darf es auch einmal etwas wild zugehen. Dort soll es blühen und fruchten. Davon profitieren Bienen, Schmetterlinge und anderes Getier, und der Mensch ebenso.

Was auch hinzukommt, ist dass Gartenanfängern häufig das Pflanzenwissen fehlt. Das ist kein Vorwurf, frühere Generationen konnten auf tradiertem Gartenwissen aufbauen und wussten einfach, wie es geht; heute ist das nicht mehr so. Wer einen Garten neu anlegt wählt häufig die falschen Pflanzen, pflanzt zu dicht, gießt, düngt und spritzt zu viel, versucht mit Vehemenz der letzten Blattlaus und der letzten Made den Garaus zu machen. Das zieht dann viele Arbeiten nach sich, die bei guter Pflanzenauswahl und richtigem Umgang mit den Gartengewächsen nicht nötig wären.

In älteren Gärten ist das Hauptproblem oft der andauernde Kampf gegen Unkräuter und der Strauch- und Baumschnitt, mit dem man viel Arbeit beim Entsorgen hat.

Foto: Brunhhilde Bross-Burkhardt

Wie entstand die Idee zu diesem Buch?

Na ja, ich bin selbst in genau dieser Situation, dass ich einige Gärten und Grundstücke, die der Familie gehören, betreuen muss und das zeitlich und kräftemäßig kaum bewältigen kann. In meinem persönlichen Umfeld geht es ebenfalls vielen so. Da fühlte ich mich genötigt, mit meinem pflanzenkundlichen und ökologischen Fachwissen und meiner gärtnerischen Erfahrung nach pfiffigen Lösungen zu suchen und diese umzusetzen. Meine Ideen will ich nicht für mich behalten, sondern andere daran teilhaben lassen. So reifte allmählich die Idee zu diesem Buch, bis ich mein Unbehagen, meine Überforderung strukturieren und in Worte fassen konnte. Das hat eine Weile gedauert. Aber wie häufig im Leben war es dann so, dass sich Lösungen ergaben, sobald ich das Kernproblem benennen konnte.


An wen richtet sich Ihr Buch in erster Linie? Können auch Gartenanfänger oder Leute, die neu einen Garten anlegen, davon profitieren?

Beim Schreiben meiner Bücher denke ich immer an meine potentiellen Leser und versuche mir vorzustellen, vor welchen Aufgaben, vor welchen Problemen diese stehen. Da gibt es eben die Älteren, so wie ich, die mengenmäßig viel Arbeit mit der Grundstückspflege und den vielen Pflanzen haben, mit den Sträuchern, den Bäumen, den Stauden, den Grünflächen, und da gibt es die etwas Jüngeren, die freudig und voll Elan aus dem Nichts ihren Garten grade anlegen. Denen rat ich sehr, sich vor dem Einteilen des Gartens und vor dem Pflanzen vorzustellen, wie sich alles im Laufe der Jahre entwickeln wird. Das nötige Wissen dazu kann man nicht alles im Kopf haben. Deswegen mache ich konkrete Vorschläge für die Auswahl von Stauden und Gehölzen, die in die jeweiligen Gartensituationen passen. Es ist einfach so, dass eine gute Planung später viel Arbeit spart.

 

Welches sind die größten Zeitfresser im Garten? Was macht am meisten Arbeit?

Nach meiner Erfahrung machen in älteren Gärten die Gehölze die meiste Arbeit. Man muss Zeit aufwenden für den Schnitt und vor allem fürs Häckseln und/oder fürs Entsorgen. Weitere Zeitfresser sind die Unkräuter oder Wildkräuter, wie auch immer man Giersch und Co. bezeichnen mag. Was man auch mit in Betracht ziehen muss und nicht unterschätzen darf, sind die Vorbereitungszeiten zum Herholen und Warten von Geräten, die Wegezeiten, vor allem wenn der Garten nicht direkt am Haus liegt.

Foto: Brunhhilde Bross-Burkhardt

Selbstversorgung mit Gemüse, Beeren und Obst liegt im Trend. Welche Gemüse- und Beerenarten empfehlen Sie, wenn man nicht so viel Zeit hat, sich um die Nutzpflanzen zu kümmern?

Da habe ich klare Favoriten: Steckzwiebeln und Kartoffeln, eventuell noch Möhren und Rote Bete. Das sind alles Hackkulturen, die mit wenigen Hackdurchgängen auskommen. Die haben auch den Vorteil, dass Schnecken an ihnen kaum einen Schaden anrichten. Salate, Bohnen und Tomaten brauchen mehr Zuwendung. Ich will aber niemandem vorschreiben, was er anbauen soll; jeder Gärtner, jede Gärtnerin hat Vorlieben, Lieblingsgemüse oder Lieblingsobst, für die dann eben die knappe Zeit aufgewendet wird. Ich persönlich lege Wert auf eigene Tomaten; die säe ich auch selbst aus.

Aber selbst wenn man viel Zeit hat, wird man es kaum schaffen, alle Gemüse- und Obstarten, die man gerne essen möchte, selbst heranzuziehen. Warum sollte man da nicht die Segnungen der Arbeitsteilung für sich nutzen und eben einen Teil des Bedarfs von Profianbauern im Handel kaufen? Das entlastet und entspannt ungemein.

Beim Obst machen Beerensträucher die wenigste Arbeit, vor allem Rote und Schwarze Johannisbeeren empfehle ich. Und einen Quittenbaum! Von Obstgehölzen, die viel Schnitt brauchen, rate ich ab. Ob man also einen Apfelbaum pflanzt, sollte man gut überlegen.

Foto: Brunhhilde Bross-Burkhardt

Ist eine Rasenfläche wirklich so pflegeleicht, wie viele denken?

Das ist sie nicht. Ein englischer Rasen macht viel Arbeit durch Mähen, Vertikutieren, Düngen, Wässern. Das sollte man sich nicht antun. Besser eine extensive Gartenwiese anstreben, die man nur einige Male im Jahr mähen muss und die ohne weiteren Pflegeaufwand auskommt.


Was halten Sie von einem Mähroboter für den Rasen?

Eigentlich bin ich gegen den Einsatz von zu viel Technik im Garten, vor allem gegen den Einsatz von Strom verbrauchenden Geräten und Maschinen. In meinem Hausgarten benutze ich von Anfang an einen Handmäher. Ich betrachte das Mähen als sportliche Aktivität, die mir gut tut.

Doch im vergangenen Frühjahr ergab sich eine Situation, die für den Garten am leer stehenden Elternhaus das Anschaffen eines Mähroboters nötig machte, weil einfach niemand da ist, der das Mähen auf der großen Fläche übernehmen könnte. Nach anfänglichem Aus-der-Bahn-geraten, das durch Versetzen des Induktionsdrahtes gestoppt werden konnte, tat der Roboter sein Werk und entlastete mich doch sehr. Ich betrachte ihn jedoch als eine Notlösung; ihn in Betrieb zu haben ist ja auch nicht ganz ungefährlich; Menschen und Tiere können sich daran schwer verletzen. In aller Regel braucht man ihn nicht. Ein wenig Bewegung beim Mähen mit dem Handrasenmäher schadet niemandem. Von Vorteil ist auch, dass solch ein Handrasenmäher kaum Wartung braucht.

Foto: Brunhhilde Bross-Burkhardt

Bei Spaziergängen durch Einfamilienhausquartiere fallen mir immer wieder die leider weit verbreiteten «Steingärten» auf – viel Schotter, wenig Grün. Mit Glück entdeckt man ein paar Ziergräser… Auch Ihnen sind diese ein Dorn im Auge. Was empfehlen Sie stattdessen, um zwar einen grünen, aber doch pflegeleichten (Vor-)Garten zu haben?

Ja, diese Schottergärten, die ja häufig noch mit Gabionen eingefasst sind, sind mir ein Dorn im Auge. Solche Gärten sind tot; sie bieten so gut wie keinen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Einfallslose Gärten von der Stange, die das ästhetische Empfinden beleidigen, nicht nur bei mir. Viele Kommunen planen jetzt zum Glück, in ihren Bauordnungen solche versteinerten Gärten zu verbieten. So denke ich, dass diese gräßliche Mode bald überwunden sein wird. Nur, wohin dann mit dem vielen Schotter?

Gleichzeitig denke ich wohlwollend, dass viele Gartenbesitzer einfach nicht wissen, wie sie mit ihrer Gartenfläche umgehen können, dann machen sie halt nach, was andere tun und was man im Baumarkt angeboten bekommt. In meinem Buch bringe ich deshalb viele Beispiele, wie sich Flächen, vor allem die exponierten Vorgärten mit Pflanzen begrünen lassen. Es muss ja kein fein komponiertes Staudenbeet sein. Etwas schlichter geht’s auch. Nur grün soll es sein. Boden deckende Stauden und Gehölze, die kaum Schnitt und Pflege brauchen, machen es möglich.


Brunhilde Bross-Burkhardt, Dr. rer. Agr., ist Fachjournalistin, Zeitschriftenredakteurin, Lektorin und Autorin von fast 40 Sachbüchern. Neben ihrer Tätigkeit als Dozentin in der Erwachsenenbildung vermittelt sie zudem seit Jahrzehnten als Exkursions- und Kursleiterin ihr botanisches Wissen einem breiten Publikum. Im Haupt Verlag sind von ihr neben «Viel Garten – wenig Zeit» bisher «Das Boden-Buch» und «Lob des Unkrauts» erschienen.


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