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HauptAutor: Adrian Möhl

Naturbücher sind eine HAUPTsache im Verlagsprogramm. Adrian Möhl, Botaniker und Haupt-Autor, sitzt mit Cheflektorin Regine Balmer im Botanischen Garten Bern und beantwortet Fragen zu seiner Leidenschaft für die Botanik und zu seinem Buch «Flora amabilis». Diesen Herbst neu erschienen ist «Deutschlands Flora amabilis».

Das Interview stammt aus dem Magazin «111 Jahre Haupt».

Von Alexander von Humboldt ist bekannt, dass er als Kind ein prägendes Erlebnis hatte, das seine Faszination für die Botanik weckte. Er sah im Botanischen Garten in Berlin einen Drachenbaum. Hast du auch ein Initialerlebnis gehabt, das dich auf den Weg der Botanik brachte?

Das Interesse für die Natur war bei mir schon als Kind da. Ich erinnere mich an ein Buch aus meiner Kindheit. Es hatte drei Teile: Teil 1 zu Pflanzen und Tieren, Teil 2 zur Geografie und Teil 3 zur Technik. Der erste Teil war völlig zerlesen – der dritte Teil wurde wohl kaum einmal geöffnet. Bezeichnend für meine Interessen war auch folgende Episode: Meine Eltern schenkten mir zu Weihnachten eine Modelleisenbahn. Sie hatten dazu eine schöne Landschaft mit Bergen, Wiesen und Tunnels gebaut – sie haben richtig viel gebastelt. Meine Reaktion: «Oh, schön, da passen meine Tiere super rein!» Die Eisenbahn hat mich überhaupt nicht interessiert. Aber später gab es schon eine Art Initialerlebnis, das mich auf die Botanik brachte. Ich habe zuerst Englisch und Philosophie studiert, Biologie war ein Nebenfach. Ich merkte aber, dass mich die Biologie sehr faszinierte, und beschloss, mit diesem Fach weiterzumachen. Ich begann Parasitologie zu studieren. Botanik schien mir eher langweilig, bis ein Freund, der eben dieses langweilige Fach studierte, mich auf eine botanische Exkursion mitnahm. Und dort, im Berner Bremgartenwald vor der Viola reichenbachiana, einem ganz normalen Wald-Veilchen, hat es mich gepackt!

Die Ausführungen des Exkursionsleiters waren so spannend, dass ich genau in diesem Moment erkannt habe, welch faszinierendes Gebiet die Botanik ist. Eine einzige Pflanze kann so viel bedeuten – sie steht für ein Netz von Zusammenhängen mit anderen Pflanzen, mit Tieren, mit dem Boden, mit der Landschaft. Hinter jeder Pflanze steckt Geschichte – einerseits die Evolution, aber auch die Geschichte der Wissenschaft.

In deinen «Flora amabilis», erzählst du Geschichten zu 100 Pflanzen. Was bedeutet für dich das Geschichtenerzählen?

Auch diese Liebe reicht in die Kindheit zurück. Ich habe schon in der Schule sehr gerne Aufsätze geschrieben, so gerne, dass meine Mutter mich auch einmal spät abends zwingen musste, den Aufsatz nun zu Ende zu bringen. Die Freude an Literatur und Texten hat mich auch zu meinem ersten Studium (Englisch und Philosophie) geführt. In der «Flora amabilis» schließt sich der Kreis – die Texte dieses Buches sind keine rein botanischen Texte, sondern sie erzählen Geschichten.

Manchmal ist der Ausgangspunkt des Textes der Name der Pflanze, manchmal ist besonders interessant, welche Bedeutung eine Pflanze für die Menschen hatte – oder immer noch hat, manchmal besticht die Pflanze durch die Raffinesse ihrer Überlebensstrategie. Darüber zu schreiben, hat mir viel Freude bereitet.

Wie hast du die 100 Arten ausgewählt, die du im Buch «Flora amabilis» beschreibst?
Ich wollte eine für die Schweiz repräsentative Auswahl bringen. Das heißt, es gibt Vertreter aller wichtigen botanischen Familien, die in der Schweiz verbreitet sind, und ich habe versucht, alle Lebensräume abzudecken. Ich habe auch eine Mischung von ganz häufigen bis ganz seltenen Pflanzen gewählt. Unter all diesen Kandidaten habe ich dann jene Arten in die engere Auswahl genommen, bei denen es gute Geschichten zu erzählen gab. Und wenn es schließlich zwei ähnliche Kandidaten gab, da hat einfach das Herz entschieden.

Du bist auch oft als Reiseführer tätig und begleitest interessierte Menschen auf botanische Reisen. Welches ist aus botanischer Sicht deine liebste Reisedestination?
(Adrian Möhl überlegt) Eine Destination allein ist schwierig, es gibt so viele schöne Orte. Darum nenne ich lieber drei Orte: Platz eins – Südafrika, Platz zwei – Sizilien, Platz drei (sehr schwierig) – die Alpen.


Die «Flora-Familie»

Naturwissenschaftliche Schriften publiziert Haupt seit seinen Anfängen. Botanische Nachschlagewerke und Bücher für Pflanzenfreunde sind heute ein wichtiger Teil des Haupt-Programms. Den Kern der «Flora-Familie» bildet die «Flora Helvetica» von Gerhart Wagner und Konrad Lauber (1. Aufl. 1996). Mehr als 50 000 Exemplare wurden bis heute von diesem Standardwerk verkauft. Im Frühjahr 2018 ist die 6. Auflage der «Flora Helvetica» erschienen, erneut überarbeitet und aktualisiert. Zudem wurde der Ruf laut nach einer auf Deutschland ausgerichteten «Flora amabilis», entstanden ist «Deutschlands Flora amabilis», erschienen diesen Herbst.
Nachfolgend Meilensteine in der Entwicklung der «Flora-Familie», angegeben ist jeweils der Erscheinungstermin der 1. Auflage:

1991 Flora des Kantons Bern
1996 Flora Helvetica
2004 Flora alpina (vergriffen)
2007 Flora vegetativa
2010 Flora indicativa
2012 Flora-Helvetica-App
2017 Flora amabilis
2018 Deutschlands Flora amabilis


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