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«Trockenblumen» – Voll im Trend!

Das Gestalten mit Trockenblumen ist wieder voll im Trend – sei es um einen Farbfleck in eine graue Ecke zu zaubern oder ein Stück Natur in die eigenen vier Wände zu bringen. Das neue Buch «Trockenblumen» von Bex Partridge, diesen Herbst 2020 im Haupt Verlag erschienen, bringt uns die Schönheit und die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten näher. In einigen ausgewählten Ausschnitten aus dem Buch führt euch die Autorin Bex Partridge in die Thematik des Sammelns, des Anbauens und des Verarbeitens von Trockenblumen ein.

Dieser Einblick soll euch auf den Geschmack bringen, euch selber ans Gestalten mit Trockenblumen zu wagen.

©Laura Edwards


EINBLICK INS BUCH «TROCKENBLUMEN» von Bex Partridge

WIEDER IM TREND

Vom Alten Ägypten bis zum Viktorianischen Zeitalter wurden Trockenblumen für zeremonielle Zwecke, als Gestaltungsmaterial oder modisches Accessoire verwendet. Doch seit den 1980-er Jahren, als frische Blumen aus weit entfernten Ländern zu niedrigen Preisen erhältlich wurden, büßten Trockenblumen ihre Beliebtheit ein.
Die ständige Verfügbarkeit hat letztendlich dazu geführt, dass sie von den preisgünstigen, farbenfrohen frischen Blumen aus dem Supermarkt verdrängt wurden.

Das Trocknen von Blumen und Blättern ähnelt dem Konservieren von Lebensmitteln. Wir nutzen die Gaben des Sommers, um gut durch den Winter zu kommen. An einem grauen Wintertag können Trockenblumen Ihr Herz erfreuen und Ihr Zuhause mit den Farben und Formen längst vergangener Jahreszeiten verzaubern.

©Laura Edwards

EIN PAAR GRUNDREGELN

Trockenblumen können jahrelang halten, wenn man ihnen etwas Liebe und Sorgfalt angedeihen lässt. Bei mir (Bex Partridge) hängen Kränze aus der Anfangszeit von Botanical Tales an der Wand, die noch genauso schön aussehen wie vor drei Jahren.
Wenn Sie die folgenden Grundregeln beachten, werden Ihnen Ihre Trockenblumen viele Jahre Freude bereiten:
Sonne – Da Blüten in der Sonne rasch ausbleichen, sollten Sie Trockenblumenkränze oder Bilder aus gepressten Blumen an einem Ort aufhängen, wo sie nicht stundenlang von der Sonne beschienen werden. Steht Ihnen ein solcher Ort nicht zur Verfügung oder kommt Ihr Werkstück in der Sonne am besten zur Geltung, hängen Sie es dort auf, doch seien Sie darauf gefasst, dass seine Farben verblassen.
Feuchtigkeit – Lagern und trocknen Sie Blumen an einem Ort, an dem es nicht feucht ist. Die Wand Ihres Badezimmers ist für ein Trockenblumen-Arrangement nicht zu empfehlen, und dasselbe gilt für die Aufbewahrung getrockneter Pflanzen. Ich hatte ein katastrophales Jahr, als ich meine getrockneten Blumen über den Winter auf unserem frisch verputzten Dachboden aufbewahrte und büßte meine gesamten Vorräte ein.
Hitze – Bei in geheizten Räumen getrockneten Blumen können die Stiele spröde werden und sich infolgedessen schwer verarbeiten lassen. Ich versuche stets, meine Materialien höchstens bei Zimmertemperatur zu lagern und meide im Hochsommer den brütend heißen Dachboden.
Ein schöner Anblick – Damit Ihre Arrangements keine Erinnerungen an die staubigen, verblassten Sträuße Ihrer Großtante wachrufen, müssen Sie ihnen nur ein bisschen Aufmerksamkeit widmen. Trockenblumen-Arrangements lassen sich am leichtesten von Staub und Spinnweben befreien, indem man sie behutsam bei schwächster Gebläse- und niedrigster Temperaturstufe föhnt.
Ein Arrangement auffrischen – Da sich der Zustand von Blumen unterschiedlich schnell verschlechtert, entferne ich regelmäßig Stängel, die ihre beste Zeit schon hinter sich haben, und ersetze sie durch neue. Ich nehme auch Arrangements auseinander und verleihe ihnen ein anderes Aussehen, indem ich ihren Stil oder ihre Anordnung verändere und ein paar neue Materialien dazu nehme, um sie aufzufrischen. Das ist eine tolle Möglichkeit, sie an die aktuelle Jahreszeit anzupassen.

©Laura Edwards

MATERIAL SAMMELN

Sammeln in freier Natur ist nicht nur etwas für Menschen, die auf dem Land oder in der Nähe von Wäldern wohnen. Auch Städter haben die Möglichkeit, sich mit etwas Einfallsreichtum Blüten, Blätter und Blumen zu beschaffen.
Mit Sorgfalt sammeln: Pflanzenmaterial zum Trocknen kann man überall finden. Ich habe ein Notizbuch, in dem ich meine liebsten Sammelstellen aufliste –etwa die Lärchen (Larix) in dem Wald in der Nähe, deren Äste sich im Dezember unter der Last ihrer Zapfen biegen, oder die verwilderten Grünstreifen, auf denen jede Menge Mager-wiesen-Margeriten (Leucanthemum vulgare) und Wilde Möhren (Daucus carota) wachsen. Haben Sie Ihren Blick beim Sammeln in der Natur erst einmal geschärft, kann Ihnen nichts mehr von all dem entgehen, was Ihre Umgebung Ihnen zu bieten hat. Fahre ich eine Landstraße entlang, so bin ich ständig abgelenkt und muss mich beherrschen, um nicht anzuhalten, wenn ich die prallen roten Früchte einer Hagebutte (Rosa canina) entdecke. Tannenzapfen und krumme, knorrige Äste liegen auf dem Boden und sind kaum zu übersehen – perfekt zum Gestalten von herbstlichen Arrangements. Gehen Sie beim Sammeln stets rücksichtsvoll vor, ganz gleich, wo Sie gerade sind. Wissen Sie nicht genau, ob eine Pflanze gefährdet oder geschützt ist, lassen Sie sie stehen und kommen erst zurück, wenn Sie es herausgefunden haben. Berauben Sie eine Pflanze nie all ihrer Blätter und Fruchtstände. Fehlt hier und da ein Zweig oder Ast, so schadet dies der Pflanze nicht, doch wenn Sie mehr entfernen, kann es für sie zur Belastung werden und ihr Wachstum beeinträchtigen. Es versteht sich von selbst, dass Sie nie eine komplette Pflanze ausreißen – die Wurzeln sollten stets im Boden verbleiben.

Pflanzenmaterial, das sich am besten zum Trocknen eignet, hat oft etwas holzigere Stängel, die sich weniger saftig anfühlen – wie etwa bei Rittersporn (Delphinium).

 

IM EIGENEN GARTEN PFLANZEN ZUM TROKNEN SELBST ANBAUEN

Wenn Sie Pflanzen anbauen, um sie zu trocknen, sollten Sie sich ungeachtet der Größe Ihrer Anbaufläche damit befassen, wie Ihr Garten im Lauf des Jahres aussehen wird. Da die meisten zukünftigen Trockenblumen kurz, bevor sie am schönsten sind, gepflückt werden müssen, sprenkele ich zwischen ihnen immer Blumen ein, die ich nicht zum Trocknen anbaue. Auf diese Weise können Sie sicherstellen, dass Ihre Anbaufläche nach der Ernte Ihrer Trockenblumen nicht wie geplündert wirkt. Denken Sie möglichst auch daran, was Sie mit den getrockneten Blumen vorhaben. Wollen Sie sie vor allem zur Herstellung von Kränzen verwenden, werden Sie ganz andere Arten auswählen als zum Gestalten großer Gestecke. Ziehen Sie zudem am besten auch Blätter zum Pressen wie Farne oder Ahorn in Betracht, ebenso Fruchtstände und Gräser, um Ihre Arrangements mit verschiedenen Strukturen zu bereichern. Da Fruchtstände und Gräser bis weit in den Herbst oder sogar bis in den Winter überdauern, sorgen sie dafür, dass Ihr Garten das ganze Jahr hindurch einen interessanten Anblick bietet. Oft können Sie sie auch an ihrem Standort trocknen lassen, was Ihnen Zeit, Platz und Mühe spart.

Selbst wenn Sie nur über wenig Platz verfügen, können Sie dort ein paar Blumen anbauen und ernten, um sie später zu trocknen. Arten wie Zinnien (Zinnia), Ringelblumen (Calen-dulaofficinalis) und Stiefmütterchen (Violatricolorvar.hortensis) wären eine gute Wahl. Ziehen Sie auch Blumen wie Veilchen (Viola) in Erwägung, die vom Pflücken ihrer Blüten profitieren, damit Sie von Ihren Pflanzen länger etwas haben.

©Laura Edwards

©Laura Edwards


AUF DEN GESCHMACK GEKOMMEN! – Selbstversuch von Fiona Hofer

Ich liebe Blumen, habe aber ehrlich gesagt nie mit dem Gedanken gespielt mit getrockneten Blumen zu gestalten. Bis zu diesem Buch! Von der «neuen» Idee inspiriert, haben also meine Mutter und ich uns in Ihrem Garten und in der üppigen Natur rund ums Haus drauf und dran gemacht, dickstielige schöne Blumen und Zweige und dergleichen zu sammeln, um daraus Kränze und Gestecke zu zaubern, welche der Dekoration des Haupt Buchhandlungsschaufenster dienen sollte.

Es ist erstaunlich! Hat man erst einmal angefangen damit, ist es genau wie Bex Patridge in ihrem Buch schreibt: Man erblickt auf einmal überall interessante Blumen oder Pflanzen – z.B. auf dem Weg zur Arbeit – und ist verlockt, vom Rad zu steigen und zu sammeln, zu sammeln, zu sammeln und die gesammelten Pflanzen und Blumen dann zu trocknen und zu schauen, was man mit diesen Schönes anstellen könnte.

Gesteck aus Mohnkapseln fürs Haupt Buchhandlungsschaufenster.

Trockenblumenkranz auf altmodischen Glasbehälter.

Haupt Buchhandlungsschaufenster zum Thema «Papier-» und «Trockenblumen»


©Laura Edwards

Bex Partridge
Bex Partridge ist eine englische Expertin für das Gestalten mit Trockenblumen. Sie erschafft nachhaltige, immerwährende Desings für Veranstaltungen, Ausstellungen und Installationen, führt einen Blog über das Thema und gibt ihr Fachwissen in Workshops weiter. www.botanicaltales.com

 Buchcover