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Die Liebe – Tipps aus den Haupt’schen Eheratgebern der 50er Jahre zum Valentinstag!

Die Liebe – Tipps aus den 50er Jahren zum Valentinstag

(Lesezeit: 10 Minuten)

 

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Werk von Bovet

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Werk von Bovet – ich bin nun allumfassend informiert!

Ich arbeite nun seit rund drei Jahren bei Haupt und konnte bis vor kurzem behaupten, dass mich die Arbeit hier nie vor unlösbare Rätsel gestellt hat. Nie wurde ich mit Arbeitsaufträgen oder Anfragen konfrontiert, die mich mein Gegenüber fassungslos anstarren ließen, um in der Folge in hysterisches Gelächter auszubrechen.

Vor ungefähr zwei Wochen war es dann so weit. Meine neue Kollegin, die für den Social-Media-Bereich verantwortlich ist, betrat strahlend mein Büro und man sah ihr an, dass sie dazu ansetzen wollte, eine Idee vorzutragen, an der sie anscheinend großen Gefallen fand. Ich war gespannt. Ich erwartete eine frohe Botschaft wie „Wir bestellen am Mittag zusammen Pizza!“ oder „Ich hab aus einem alten Buch eine Frisbee für deinen Hund gebastelt!“ (zum Thema Bürohunde bei Haupt gibt es vielleicht demnächst mal einen Blogbeitrag). Ich hätte mir sogar vorstellen können, dass sie einfach ihre reine Wertschätzung für den fabelhaften Teamgeist zum Ausdruck bringen wollte. Ich war gespannt, strahlte zurück – und dann ging alles ganz schnell. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit (realitätsnahe Optionen siehe oben) erklang folgendes aus ihrem Mund:

„Kaja, du schreibst doch diese unterhaltsamen Blogbeiträge. Ich habe dich ausgesucht für den Beitrag für Valentinstag! Geht klar, oder?“

Jetzt stellen Sie sich kurz vor, wie es sich anfühlt, innerhalb von 2 Sekunden ins All geschossen zu werden, wo alles leer, friedlich und „wattig“ ist. Ihr Gehirn verarbeitet keine Informationen mehr, alles ist nur Rauschen. Weiten Sie Ihre Augen und bringen Sie Ihren Kopf langsam in Schräglage. Gut, jetzt sehen Sie aus wie ich, damals, nachdem meine Ohren zwar Laute vernommen hatten, mein Gehirn aber die Verarbeitung verweigerte.

Dann: Lachanfall.

Dann: Erholung von denselben. Tränen wurden aus Augenwinkeln gewischt und mein Gehirn fing langsam wieder an, so etwas wie Leben zu zeigen. Es wühlte zumindest meinen Vorsatz für das Jahr 2016 hervor und präsentierte ihn mir trotzig: „Sei mutiger, Kaja! Riskier‘ was! Sag ‚ja‘ zu Dingen, von denen du denkst, dass du sie nicht kannst!“

Langer Rede, kurzer Sinn: Die valentinstagsuntauglichste Person des Hauses nahm diese Herausforderung an! Nachdem ich mir einige alberne Ansätze zu dem Thema überlegt hatte (z.B. Bücher, die man garantiert nicht am 14.2. als Geschenk überreichen sollte …), rettete mich mal wieder die langjährige und facettenreiche Publikationsgeschichte des Verlags!

Ich erinnerte mich daran, dass seit den 1950er Jahren eine Reihe extrem erfolgreicher Ehe- und Sexual-Ratgeber im Haupt Verlag erschienen waren. Ein thematischer Aufhänger war gefunden, ich war gerettet!

Das heißt, dass Sie heute in den Genuss einiger Tipps von Theodor Bovet kommen. Bovet war sowohl Arzt als auch Theologe und ließ seine Expertise auf beiden Gebieten in seine hochpopulären Ratgeber einfließen. Ob „Die Ehe – Das Geheimnis ist groß“, „Junge Leute, Sex & Liebe“, „Die werdende Frau“ oder „Von Mann zu Mann“: Bovet scheute sich nicht, damals noch stark tabuisierte Themen sowohl aus biologischer/medizinischer als auch aus seiner Sicht als Theologe zu erläutern.

Natürlich wirkt vieles aus unserer heutigen Sicht altbacken, konservativ und ungewohnt religiös. Aber erstaunlicherweise eben nicht nur. Vieles hat auch im aufgeklärten und ratgeberüberschwemmten Jahr 2016 nicht an Gültigkeit und Relevant verloren. Sie werden schon sehen :) Also lesen.

Da Valentinstag wohl primär von Leuten, die in einer Partnerschaft leben, zelebriert wird (wir Singles können wählen zwischen Ignoranz, Heulkrampf, Zynismus und wahrem inneren Frieden damit, nicht zum Teil der an-jemanden-gebundenen Weltbevölkerung zu gehören), habe ich mich dafür entschieden, mir Bovets Eheratgeber etwas genauer anzuschauen, und ein paar Goldstücke für Sie daraus zu bergen. Gern geschehen!

Zunächst möchte ich noch einmal auf Bovets tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben hinweisen. Einerseits deswegen und andererseits aufgrund des Alters der Bücher wird davon ausgegangen, dass Partnerschaft = Ehe ist. Bitte fühlen Sie sich also auch angesprochen, wenn Sie in „wilder Ehe“ leben, also keinen Trauschein haben. Ich sehe ausnahmsweise über diesen Makel in Ihrer Lebensführung hinweg!

Wie Sie sich bestimmt schon gedacht haben, können Sie Bovets Bücher nicht mehr im regulären Buchhandel erstehen – als Valentinstagsgeschenk fällt dies also flach (außer natürlich, Sie finden die eine oder andere Perle antiquarisch, vielleicht im Bücherbrockenhaus Ihres Vertrauens, sonst bei Abebooks oder beim ZVAB). Nach den Tipps unseres Bestsellerautors werden Sie ein paar Tipps zu Büchern finden, die Sie wirklich verschenken können und die hoffentlich sowohl Ihre/-n Partner/-in erfreuen als auch Ihre Partnerschaft bereichern.

Aber nun kommt erst einmal Bovet zu Wort!

Tipp 1: Aus dem Kapitel „Wie bekommt man Liebe?“ (S. 41 ff.): Seien Sie freigiebig damit.

Ich muss gestehen, dass ich diesen Beitrag mit der Vorstellung begonnen habe, Ihnen amüsante und komplett veraltete Ansichten aus den 50er-Jahren zu präsentieren, über die wir dann gemeinsam schmunzeln können. Bovets Kompendium der Ehekunde macht meinem zynischen Plan jedoch einen gehörigen Strich durch die Rechnung, da es Weisheiten enthält wie die folgende:

Liebe ist aus intellektueller Sicht nicht erlernbar. Es gibt keine Anleitung, was zu tun ist, um Liebe zu erhalten. Weniger Aktionismus, mehr Demut und eine gebende Haltung, das ist es, was Bovet als sicheren Weg zu mehr Liebe beschreibt. Liebe könne nur geschenkt bzw. weitergegeben werden. Er weist zwar auf die Probleme hin, die sich beim Geben von Liebe einstellen, wenn es in der Kindheit zu wenig davon gab und dass dieses freie Geben durch Projektionen (siehe Tipp 3) eingeschränkt werden kann. Dennoch hält er uns alle für fähig, zu lernen und bekräftigt, dass auch diejenigen, die mit einer guten Portion Elternliebe ausgestattet wurden, sich nicht zurücklehnen können. Er beschreibt die Liebe als einen dynamischen Prozess, der stetig neu beginnt und je nach Alter oder Kontext neue Formen annehmen wird.

Gleichzeitig bekräftigt er unsere Abhängigkeit voneinander. Spricht sich dafür aus, dass es vollkommen in Ordnung und natürlich ist, dass es nicht genügt, selbst voller Kraft zu sein und zu existieren, sondern dass es das Gegenüber braucht, das uns sagt: „ ‚Es ist recht, dass du da bist. Ich brauche dich. Ich liebe dich.‘“ (S. 43)

Seien Sie also freigiebig mit Ihrer Liebe. Das ist es, was sie in die Welt bringt und vermehrt. Auch für Sie selbst.

Tipp 2: Nehmen Sie Ihre/-n Partner/-in an – auch wenn Sie sie/ihn nicht immer verstehen

Obwohl Bovet stark betont, wie wichtig es ist, sich der eigenen inneren psychischen Vorgänge in der Partnerschaft bewusst zu sein, pocht er nicht darauf, dass der andere ebenso gut verstanden und analysiert werden muss. Stattdessen plädiert er dafür, unsere Verschiedenheit, die sich immer in einer gewissen Distanz voneinander äußern wird, als das Salz in der Suppe zu sehen. Für ihn ist es der Garant dafür, dass es in der Ehe spannend bleibt. Er warnt davor, unsere Differenzen zu negieren und eine Schein-Harmonie aufzubauen. Bovet schließt das Kapitel Die Annahme des Partners im Ehekompendium mit den Worten:
„Jeder Mensch ist ein Unicum und ist nie restlos verstehbar, auch nicht bei großer Liebe. Es ist wichtig, zu wissen: Man braucht einander nicht ganz zu verstehen, um sich zu lieben; ja wahrscheinlich gehört zur rechten Liebe stets auch eine gewisse Distanz.“ (S. 78 ff.)

In heutigen Beziehungsratgebern würde man wohl „Lassen Sie los!“ lesen. Ich finde, Bovet drückt dies warmherziger aus.

Tipp 3: Seien Sie sich Ihrer Projektionen bewusst!

In Die Ehe erläutert Bovet, was Projektionen sind und welchen Einfluss sie auf die Partnerschaft haben. Man lese und beachte:

„(…) man projiziert (…) Bilder in den Partner hinein, die nicht von ihm, sondern von unserer eigenen Seele stammen.“ (S. 29)

Er erklärt, dass es passieren wird, dass die eigenen Mutter- bzw. Vaterthemen auf den/die Partner/-in übertragen werden und dass daraus Enttäuschungen und Streit erwachsen kann. Auch warnt er davor, ein Idealbild auf seinen Partner zu projizieren, das nicht aufrechterhalten werden kann, da es sich – z. B. im Falle der Projektion durch den Mann auf die Frau – bei diesem Wunschbild um „Weiblichkeit in Reinkultur“ handelt. Er schreibt:

„Wenn der Mann hinter der Animaprojektion allmählich die wirkliche Frau entdeckt, kann es vorkommen, dass er enttäuscht ist, ja dass er ihr paradoxerweise ‚Unweiblichkeit‘ vorwirft, weil sie von seinem Ideal abweicht. Ist er dagegen reif, dann dankt er dem Himmel, in seiner Frau ein Wesen zu entdecken, dass für ihn wirklich neu ist und den Traum ganz und gar überragt.“ (S. 29 f.)

Ist das nicht berührend? Man möchte sofort die Antiquariate nach dem Buch durchforsten – und von Bovet auch im Jahr 2016 lernen.

Bovet überrascht und beeindruckt mich mit einem hochgradig relevanten Kapitel im Kompendium der Ehekunde: „Liebe, Hass und Ambivalenz“, in dem er Jung’sche Begriffe auf schwierige Gefühle und Dynamiken in der Ehe anwendet:
„Man hasst nur das irgendwie Verwandte (…). Jeder Mensch hat ein bestimmtes Ideal der Nächstenliebe, der Geduld, des Opfers (…) Jeder von diesen Typen verwirft alle Eigenschaften, die ihm am Erreichen seines Ideals hindern. Diese negativen Eigenschaften ergeben zusammen (… ) unsern Schatten. (…) Nun gelingt es uns im allgemeinen nicht, unsern Schatten wirklich aus der Welt zu schaffen; wir können ihn nur in den Hintergrund schieben (…) und er wird tatsächlich un-bewusst. (…)
In dem Mass, in dem wir erkennen, wie wir wirklich sind, mit Licht und Schatten, wird uns die Ambivalenz unseres Fühlens und Wollens klar.“ (S. 32 ff.)

Er führt aus, dass unsere negativen Gefühle gegenüber anderen Menschen häufig auf die verdrängten Schatten-Anteile in uns selbst zurückzuführen sind und dass dies auch in Liebesbeziehungen auftreten kann, wenn negative Gefühlen gegen die eigentlich geliebte Person aufkommen. Erfrischend finde ich, wie Bovet diese Mechanismen als etwas beschreibt, was zu den natürlichen Entwicklungen unserer Liebesgefühle gehört, die eben auch auch mit Projektionen einhergehen (positiven und negativen).

Ich möchte mit meinem bisherigen Lieblingszitat aus dem Ehekompendium schließen. Denn Valentinstag ist zwar einmal im Jahr, die Liebe und was sie mit uns macht hingegen 365 Tage im Jahr lebendig:

„Das Liebeserlebnis ist immer wieder, durchs ganze Leben hindurch, ein ständiger Neubeginn.“ (S. 43)

Und nun viel Spaß! In welcher Form sich Ihre Liebe momentan auch ausdrücken mag.

Kaja Baumann

 

Und hier noch ein paar Buchtipps der Autorin dieses Beitrags:

Gary Chapman: Die 5 Sprachen der Liebe – Wie Kommunikation in der Ehe gelingt

ISBN: 9783861221265

Die 5 Sprachen der Liebe

Kurzbeschreibung

Es gibt nichts Schöneres als zu lieben und geliebt zu werden. Doch wie kann es gelingen, dass der andere sich tatsächlich dauerhaft geliebt fühlt und unsere Liebesbekundungen ihn mitten ins Herz treffen?

Gary Chapman ist dem Geheimnis einer erfüllten Liebesbeziehung auf die Spur gekommen: Es geht nicht darum, dem anderen irgendeinen Liebesdienst zu erweisen, sondern den richtigen. Denn es gibt 5 verschiedene Sprachen der Liebe – und jeder von uns hat eine Muttersprache …
‚Das Buch ist einfach genial. Der Autor beschreibt auf so einfache und nachvollziehbare Weise, wie unterschiedlich Menschen Liebe geben und empfangen und wie wichtig es ist, dabei die gleiche Sprache zu sprechen. Durch dieses Buch wurde mir erst bewusst, was mir wichtig ist und was Liebe für mich bedeutet. Nachdem ich auch meinen Mann dazu gebracht habe, dieses Buch zu lesen, sind uns beiden richtige ›Kronleuchter‹ aufgegangen und wir führen seither eine gänzlich neue Beziehung mit sehr viel mehr Liebe und Verständnis füreinander. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen.‘ Leserstimme

Du und ich, wir beide

ISBN/EAN: 9783941087200

 Du und ich wir beide

Kurzbeschreibung

 Für alle Liebende, für alle, die es einmal waren und für alle, die es einmal sein werden.

 

Für alle, die gerne berührende und etwas ungewöhnliche Liebesgeschichten lesen:

Anna Gavalda: Zusammen ist man weniger allein.
ISBN: 9783596173037

Zusammen ist man weniger allein

Kurzbeschreibung

Philibert, von verarmten Adel, ist zwar ein historisches Genie, doch wenn er mit Menschen spricht, gerät er ins Stottern. Camille, magersüchtig und künstlerisch begabt, verdient sich ihren Lebensunterhalt in einer Putzkolonne, und Franck schuftet als Koch in einem Feinschmeckerlokal. Er liebt Frauen, Mototrräder und seine Großmutter Paulette, die keine Lust aufs Altersheim hat. Vier grundverschiedene Menschen in einer verrückten Pariser Wohngemeinschaft, die sich lieben, streiten, bis die Fetzen fliegen, und versuchen, irgendwie zurecht zu kommen.

‚Ein herzergreifender, zarter und anrührender Roman, in dem das Lachen und die Not verschwistert sind.‘
Le soir

 

Und ein Tipp aus der Haupt Buchhandlung:

Wilhelm Schmid: Sexout – Und die Kunst, neu anzufangen

ISBN: 9783458176466

Sexout

Kurzbeschreibung

Eine Auseinandersetzung mit der nachlassenden Lust in einer Zeit, in der Sex zu einem Muss geworden ist

Mehr Gelassenheit – auch in der Liebe
Sex macht Spaß! Immer mehr Menschen – ob jung oder alt – wissen mit dieser ständig wiederholten Formel nichts mehr anzufangen. Denn ihre Erfahrung ist eine ganz andere: Sex ist ein Problem. Dieses Buch gibt dem Problem einen Namen: ‚Sexout‘. Was bedeutet das für unser Liebesleben? Hat ausgerechnet die Philosophie etwas dazu zu sagen? War tatsächlich Sokrates schon in einer solchen Lage?
Wilhelm Schmid, Bestsellerautor (‚Glück‘, ‚Gelassenheit‘), lässt seine Leser mit der Bestandsaufnahme des Problems nicht allein, sondern macht Vorschläge, wie sich damit umgehen lässt, ja, was sich aus einem Sexout machen lässt. Das Problem ist nicht wirklich neu, finden sich doch in der modernen Kunst viele Darstellungen, die zeigen, wie einer ratlos am Bettrand sitzt und der Andere seinen Kopf in den Kissen verbirgt. Neu ist nur die epidemische Verbreitung, aber vielleicht setzt damit auch das große Aufatmen ein: Endlich ein Leben ohne Druck, ständig Sex haben zu sollen. Mehr Gelassenheit wird möglich, auch im Bett.