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Bücher, die Sie dieses Jahr nicht zu Weihnachten verschenken können, Teil 1: „Turn-, Neck- und Unterhaltungsspiele“

„Turn-, Neck- und Unterhaltungsspiele“: Ein Buch, die Sie dieses Jahr nicht zu Weihnachten verschenken können!

Etwas, wovon Sie als Kundin oder Kunde der Buchhandlung oder des Verlages nicht so viel mitbekommen, ist, wie viel Geschichte dieses Haus und das Unternehmen atmen. Von Aussen sieht man es unserem schönen Gebäude natürlich an, aber dass es zu meinen regelmässigen Beschäftigungen gehört, im Archiv in den über 100 Jahren Firmengeschichte herumzustöbern, hätten Sie vielleicht nicht vermutet.

Ich wühle mich auf meinen Besuchen im Verlagsarchiv des Öfteren durch die Vergangenheit, zum Beispiel auf der Suche nach einem Buch, aus dem ein Museum einen Text abdrucken möchte. Ab und an finde ich dort eine wahre Perle, ob es sich um liebevoll gestaltete Ausgaben alter Werke handelt, Ehe-Ratgeber aus den 60ern oder anderweitig Faszinierendes, Unterhaltsames oder Lehrreiches.

Und damit Sie auch in den Genuss einiger dieser Perlen kommen, stelle ich Ihnen während der Adventszeit einige Titel vor, die Sie garantiert nicht mehr bei uns kaufen können – aber die es sich trotzdem lohnt, gesehen zu haben!

„Turn-, Neck und Unterhaltungsspiele“ aus dem Jahr 1944 stellt eine solche Perle unter den Veröffentlichungen des Haupt Verlages dar!

Archiv-Perle der Woche

Archiv-Perle der Woche

(und nein, Sie können es WIRKLICH nicht bei uns kaufen, vergessen Sie das sofort wieder! Unsere Buchhandlung kann Ihnen das Buch beim besten Willen nicht besorgen, weil, raten Sie mal – es ist seit ca. 1950 vergriffen. Wenn Sie es in einem Antiquariat suchen möchten, bitte hier entlang oder auch hier.)

Das Büchlein enthält eine Reihe von Anleitungen für Frauenturnvereine, um „… die Turnstunden froher und abwechslungsreicher zu gestalten“. Die Veröffentlichung wurde seinerzeit vom „Landesverband für Leibesübungen“ gefördert.

Die Sprache zeugt deutlich von den aktuellen Themen der damaligen Zeit, kam das Büchlein doch noch vor dem Ende des 2. Weltkrieges heraus. Von den acht Kapiteln heissen zwei „Verfolgungsspiele“ bzw. „Parteikampfspiele“ – da war noch nicht so viel los mit „Freundschaftsspiele“. Unter den Verfolgungsspielen findet sich das vielversprechende „Fluchtklettern“, wo logischerweise zu langsam Kletternde zu Gefangenen werden. Es wird geschlagen (wahlweise „Zweiten-„ oder „Drittenabschlagen“, ausgebrochen und gekämpft – möchten Sie lieber am „Hahnenkampf“, „Ringkampf um den Ball“ oder am „Ziehkampf in der Einerkolonne“ teilnehmen? – und, natürlich, Krieg geführt. Wahlweise um den Ball (ja, das Spiel heisst tatwahrhaftig „Ballkrieg“) oder um – festhalten – Kartoffeln!! Das Spiel ist zwar eher aktionsarm, der Titel „Kampf um die Kartoffel“ hat es mir jedoch angetan.

Das werde ich bei unserem nächsten Haupt’schen Sommerfest wohl als teambildende Massnahme anregen – und so geht’s: „Zwei Turnerinnen erhalten je zwei Löffel. Auf den einen bekommt jede Turnerin eine Kartoffel. Der leere Löffel kommt in die rechte Hand. Jede Turnerin versucht nun, der Partnerin die Kartoffel zu stehlen, ohne die eigene zu verlieren.“ Naja. Vielleicht suche ich doch noch ein anderes Spiel für’s Firmenfest …

Spiel, Spass und Unterhaltung

Spiel, Spass und Unterhaltung

Es geht ähnlich weiter: Die Mannschaften sind natürlich in „Frontreihen“ angeordnet, Spielfelder werden durch „Grenzlinien“ getrennt … die Kriegsrhethorik ist omnipräsent und wirkt vor allem durch die Fotos von glücklich lachenden Frauen aus heutiger Sicht sehr skurril. Ich sagte ja, es gibt Archiv-Perlen, die die Geschichte wieder lebendig werden lassen. Und die Stimmung zur Zeit des zweiten Weltkriegs ist in diesem Zeitdokument in jeder Zeile spürbar. Ein Schatz für die historische Linguistik.

Aber ich möchte sie nicht ohne eine Spielanleitung ziehen lassen, wobei der Verlag jede Haftung für körperliche Schäden ablehnt!

Die klassischerweise kalorienreichen Weihnachtstage nahen ja unaufhaltsam, daher hier ein Spiel aus der Abteilung „Fangen und Haschen“, mit dem sich bestimmt ein paar Gramm abtrainieren lassen – unter anderem die Bauchmuskeln werden ganz sicher zum Einsatz kommen:

Tabu-Haschen

„Die Turnerinnen sind in einem nicht zu grossen Viereck in freier Aufstellung verteilt (im Büro, an der heimischen Weihnachtstafel oder wo auch immer Sie die Stimmung auflockern und die Kampfturnerin in sich rauslassen möchten). Die als Fängerin bezeichnete Turnerin sucht eine Mitspielerin abzuschlagen, worauf diese zur Fängerin wird. (so weit so intuitiv, wir spielen schliesslich bisher recht klassisch „fangen“. Aber jetzt kommt die sportliche Herausforderung!) Jede Turnerin bleibt schlagfrei (kann also nicht gefangen werden), die auf einem Bein steht und mit dem gegengleichen Arm unter dem gehobenen Bein durch die Nase oder das Ohrläppchen festhält.“ Alles klar? Dann los!

Männer dürfen natürlich auch mitspielen.

Ich wünsche Ihnen viel Spass!
Kaja Baumann

Das können Sie sogar verschenken, einem verspielten Dezember steht also nichts mehr im Wege ...

Das können Sie sogar verschenken, einem verspielten Dezember steht also nichts mehr im Wege …

Wer Lust auf mehr Spiele bekommen hat – und ein Buch dazu erstehen und vielleicht sogar verschenken möchte, das es aktuell zu kaufen gibt, dem sei „Tumme, Böckli, Stigeligumpe – 50 Schweizer Spiele aus alter Zeit“ empfohlen.