Sie sind hier: / Magazin / Natur

Singvögel inspirieren Komponisten

Die Musik von Vivaldi und Rameau, von Mozart bis Strawinsky und Messiaen macht hörbar, wie bedeutsam Vogelgesang als Inspirationsquelle für Komponisten seit jeher war. Aber wie vermögen Singvögel wie die Amsel überhaupt ein derartiges unglaublich reiches Potential an Stimme und Melodienreichtum zu entfalten?

Alle Vögel besitzen zwei Kehlköpfe, von denen der untere die Töne erzeugt. Er befindet sich an der Stelle, wo sich die Luftröhre in die Bronchien gabelt. Dieser untere Kehlkopf, die sogenannte Syrinx, ist bei den Singvögeln besonders komplex ausgebildet. Sie besteht aus verknöcherten Tracheal- und Bronchialringen unterschiedlicher Anzahl, aus schwingfähigen Membranen zwischen Innen – und Außenseite der Bronchien sowie aus einem komplexen Muskelsystem, das die Bewegungen und Spannungen für die Lauterzeugung ermöglicht.

Als Resonanzräume fungieren außerdem Erweiterungen der Speiseröhre, Luftsäcke oder Knochenblasen. Der durchdringende, kilometerweit tragende Fanfarenruf des Kranichs beruht auf den bis zu 130 cm langen Resonanzraum seiner Luftröhre. Die physiologisch anatomischen Voraussetzungen sind aber letztlich nicht ausschlaggebend, ob ein Vogel ein guter oder weniger guter Sänger ist. Bei den Drosseln entscheidet eindeutig der vom Vater gegebene Unterricht über die späteren Gesangsfähigkeiten.

Und wenn Shakespeare Julia mit dem Verweis auf Nachtigallen- und Lerchengesang Romeo anflehen lässt, in der Liebesnacht im Liebesnest zu bleiben, ist das ein weiterer Hinweis auf Vogelgesang als Lebenselixier.

 

Buchcover