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Maikäfer zum Nachtisch

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Bild: Enrico Mevius

An warmen Abenden im Mai und Juli sieht man Maikäfer wieder fliegen, sofern ein Flugjahr ist. Die Maikäfer beschwerten Bauern und Bevölkerung wegen ihrer Überzahl und Fresssucht immer wieder Kopfzerbrechen. Was Max und Moritz in Wilhelm Busch‘ Erzählungen mit den Käfern anstellten, ist jedoch heilig im Vergleich zu der Gerichtsverurteilung von Maikäfer im 14. Jahrhundert.

Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen Maikäfer als Larven (genannt Engerlinge) unter der Erde und fressen alles, was ihnen in die Quere kommt. Engerlinge sind deshalb bei Bauern unbeliebt. Mit ihrer Fresssucht können sie einen gewaltigen Schaden anrichten und Obstausfälle verursachen.

Nach ca. vier Jahren kriechen sie aus der Erde und pflanzen sich als Käfer fort. Offenbar kommen alle 30–45 Jahre so viele Maikäfer aus dem Boden, so dass von einer Plage die Rede ist. Weshalb weiß man nicht so genau. Während einer solchen Plage wurden im Jahr 1911 rund 22 Millionen Maikäfer auf einer etwa 1.800 Hektar großen Fläche gefunden.

Und noch etwas Kurioses:
Im Mittelalter gab es noch keine Möglichkeiten der Schädlingsbekämpfung. Die Menschen wussten sich nicht besser zu helfen und stellten im Jahr 1320 in der französischen Stadt Avignon Maikäfer kurzerhand vor Gericht. Per richterlichen Beschluss wurde ihnen befohlen, sich innerhalb von drei Tagen zurückzuziehen. Andernfalls würden sie für vogelfrei erklärt. Weil sich die Maikäfer logischerweise dem Gesetz nicht unterworfen haben, wurden sie stattdessen aufgesammelt und getötet.

Ein weiteres Kuriosum aus dem 20. Jahrhundert:
Die Maikäfer wurden nicht nur als Hühnerfutter genutzt, sondern fanden auch in der Küche Verwendung. In Frankreich und Teilen Deutschlands wurden sie geröstet und zu Maikäfersuppe verarbeitet. In Konditoreien waren sie verzuckert oder kandiert als Nachtisch zu haben.