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20 Jahre Flora Helvetica

Jede Pflanzenfreundin und jeder botanisch Interessierte kennt dieses Buch, es gibt vermutlich kaum Biologen in der Schweiz, die nicht bereits mit ihm gearbeitet haben: Die «Flora Helvetica». Das botanische Standardwerk der Schweiz wird in diesen Tagen zwanzig Jahre alt.flora_buch_dt_bg

Vor zwei Jahrzehnten, im September 1996, erschien mit der «Flora Helvetica» das vermutlich bedeutendste Buch in der über einhundertzehnjährigen Geschichte des Haupt Verlags. Der überwältigende Erfolg der «Flora des Kantons Bern» (drei Auflagen zwischen 1991 und 1993) hatte die beiden Autoren Konrad Lauber (1927-2004) und Gerhart Wagner und den Verlag veranlasst, ein umfassenderes botanisches Werk auf den Markt zu bringen.

flora_buch_offenAutor Gerhart Wagner, heute 96-jährig, sagt dazu: «Die Idee, eine illustrierte Flora zu schaffen, entstand bei mir 1982 bei Erscheinen des «Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen der Schweiz» von Welten/Sutter. Doch zunächst dachte ich nur an eine Flora des Berner Oberlands, erst viel später an die gesamte Schweiz.» Beide Autoren brachten jahrzehntelanges Engagement ohne finanzielle Unterstützung einer Kommission oder Organisation ein, um das Nachschlagewerk zu verwirklichen. Schliesslich, im Herbst 1996 erschien dann mit der «Flora Helvetica» erstmals ein Buch, das sämtliche, mehr als 3000 wild wachsenden Blüten- und Farnpflanzen eines zwar kleinen, aber klimatisch und topografisch überaus vielseitigen europäischen Landes zur Darstellung brachte.

In der mehr als 1500 Seiten umfassenden «Flora Helvetica» wird jede Pflanzenart durch ein oder zwei hervorragende Farbfotos abgebildet und durch einen genauen Text beschrieben. Die Artbeschreibung enthält den lateinischen, deutschen, französischen, italienischen und rätoromanischen Namen, die für das schnelle Bestimmen der Art wichtigsten Merkmale, die ökologischen Ansprüche, die Häufigkeit und das Vorkommen in der Schweiz (mit Verbreitungskarten) und weitere Informationen wie Gefährdungsgrad, Giftigkeit, pharmazeutische Anwendung, gesetzlichen Schutz u.a. Ein vollständiger Bestimmungsschlüssel erleichtert die Identifizierung der Arten. Obschon streng wissenschaftlich aufgebaut, wird das Werk auch den Ansprüchen weniger geschulter Pflanzenfreunde gerecht.

Dieses bestechend klare Konzept, die grossartigen Pflanzenbilder des Fotografen Konrad Lauber, die präzisen botanischen Artporträts von Gerhart Wagner und die genaue Übersetzung von Ernest Gfeller ins Französische liessen die Flora Helvetica in kurzer Zeit zu einem Standardwerk von internationalem Renommee werden. Mehr als 50‘000 Exemplare der deutschsprachigen und über 15‘000 der französischsprachigen Ausgabe gelangten seit 1996 an Naturinteressierte. Und schon 1997 wurde das Werk erstmals in einer digitalisierten Version als CD-ROM präsentiert. Seit 2009 sorgt Andreas Gygax als dritter Autor für die stetige Anpassung des Werks an die Entwicklung des Naturraums Schweiz. Mit der «Flora alpina» erschien 2004 im Haupt Verlag ein räumlich noch weitreichenderes und ebenfalls erfolgreiches Nachschlagewerk.

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2012 folgten grosse Entwicklungsschritte für die «Flora Helvetica»: Die Systematik der Printversion (dt. in 5. Aufl., frz. in 4. Aufl.) wurde an den mittlerweile geltenden APGIII-Standard angepasst. Vor allem aber erschien in diesem Jahr die «Flora Helvetica» erstmals als App für Smartphones und Tablets. Programmiert wurde die App mit Inhalt des Buches von Lauber/Wagner/Gygax nach Idee und Konzept des Haupt Verlags und des Conservatoire et Jardin botaniques de la Ville de Genève. Ebenfalls wirkten mit das nationale Daten- und Informationszentrum Info Flora und zahlreiche Schweizer Botaniker. Die Flora Helvetica App enthält sämtliche Artporträts des Buches und erlaubt mit zwei verschiedenen Bestimmungsschlüsseln das Bestimmen der Pflanzen im Feld.

So ist die «Flora Helvetica» heute nicht nur ein Leuchtturm in unserem Naturbuch-Programm, sondern auch ein botanisch-wissenschaftliches Referenzwerk, um das viele Länder die Schweiz beneiden.

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