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Kremers Kulturlandschaften Teil 1: Der Bauerngarten

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Bäuerlich bunte Gärten – lebendige Kulturdenkmäler

Warum gehört ein bunter, eventuell leicht verwilderter, aber artenreicher Garten zu den Top Lebensräumen der Kulturlandschaft, in denen ich mich gerne aufhalte? Ganz leicht zu nachzuvollziehen – hier brandet zu allen Jahreszeiten das Leben. Im Garten ist tatsächlich immer etwas los: Es gibt zugebenermaßen ständig etwas zu tun, aber ebenso auch zu beobachten und zu erleben.

 

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Der Herbst ist angebrochen, und damit klar eine Zeit des Übergangs. Der Garten erledigteher unspektakulär und ganz unaufdringlich die letzten Lektionen des Sommers und die ersten des angebrochenen Herbstes. Das ekstatische Blühen der Jahresmitte ist vorüber, nur hier und da mühen sich noch eine verspätete Minze oder der unentwegte Borretsch ab, eventuell auch noch eine rankende Kapuzinerkresse. Die erste kräftige Frostnacht beendet ihr Tun, aber der Garten bleibt auch in den folgenden Wochen lebendig: Vielleicht ist noch ein Igel unterwegs, der sich vor dem bald beginnenden Winterschlaf noch ein paar Kalorienvorräte anfuttert. Und auf jeden Fall bringen die Wintervögel ständig Leben in die Szene, wenn sie die verbliebenen Fruchtstände beernten oder die ihnen angebotenen Futterstellen aufsuchen. In meinem Garten haben sie in der letzten Saison – überaus zahl- und artenreich vertreten – ca. 60 kg Winterfutter verputzt.

 

Bild: Christoph Neumueller / Wikicommons

Bild: Christoph Neumueller / Wikicommons

 

Solche vitalen Funktionen kann ein moderner Ziergarten mit streichholzkurzem Zierrasen und umrahmender Thuja-Hecke aus dem Sonderangebot des Gartencenters nicht bieten. Ein traditionell und artenreich bestückter bäuerlicher Garten ist dagegen ein echtes Kontrastprogramm und ein Zugewinn für die Natur im besiedelten Raum. Mit seinem bunten Pflanzeninventar, das die Tradition fast eines Jahrtausends fortsetzt, entspricht er durchweg der Idee eines förderlichen Naturgartens. Mehr kann man von privater Seite für mehr Natur im Wohnumfeld kaum leisten.


Bruno P. Kremer hat Biologie, Chemie und Geologie studiert und Promotion zum Dr.rer.nat. abgeschlossen. Er war langjährige in der Forschung sowie als Wissenschaftsjournalist tätig und wurde an der Universität zu Köln im Institut für Biologie und ihre Didaktik in der Lehrerausbildung eingesetzt.

Zudem hat er zahlreiche Zeitschriften und Bücher zu Themen der ökologischen Biochemie, zu biologisch-ökologischen Sachthemen sowie zur Naturerlebnispädagogik veröffentlicht.

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