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Haupt-Autor: Christopher Stuart

portraiet stuartWas passiert, wenn man Designer aus New York, Mailand, Stockholm, London, Barcelona
und Venedig in die Heimwerkabteilung im Warenhaus schickt? Es entsteht ein Zeitungstisch aus Plastikrohren. Ein Apérotischchen im skandinavischen Weihnachtsschmuckdesign. Ein äußerst anpassungsfähiges Wandregal. Ein Sofa aus Isolationsschaumstoff. Ein Teppich aus dickem Seil. Oder ein Buch, besser gesagt zwei Bücher:

In «Do It Yourself Möbel – 30 verrückte Projekte»  und «Do It Yourself Möbel 2 – noch mehr verrückte Projekte» zeigt Christopher Stuart, wie aus einfachen Materialien vom Bau- und Flohmarkt raffinierte und individuelle Wohngegenstände entstehen.

 

Das Interview führte Brigitte Meier.

 

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch zum Thema Do-it-yourself-Möbel zu veröffentlichen?
diy2Möbel waren immer eine Quelle der Inspiration für mich – schon während der Zeit, als ich als Produktdesigner arbeitete. Nachdem ich beruflich lange kundenorientiert tätig war, begann ich meine eigenen Interessen zu verfolgen. Ich schrieb mich wieder in der Kunsthochschule ein und versuchte ein eigenes Design zu entwickeln. Mit Baumaterial zu arbeiten war sehr inspirierend und ich fand sehr bald heraus, dass ich nicht alleine mit dieser Idee war. Diese neue Art der Gestaltung war eine regelrechte Bewegung! Ich registrierte, dass Designliebhaber eine Sammlung solcher Objekte schätzen würden. Und Anleitungen würden es ihnen ermöglichen, sich solche einmaligen Designer-Möbel auch
leisten zu können.

 

Mehr als 30 Künstler haben Ideen zum Buch beigesteuert. Wie kamen Sie in Kontakt mit all diesen Designern aus der ganzen Welt?
Ich suchte täglich im Internet – monatelang!
Das Schwierigste bei der Autorensuche war, Leute im Nicht-Englischen-Sprachraum zu finden, da ich nicht recht wusste, wie ich «do it yourself» in verschiedene Sprachen übersetzen sollte…

 

Warum sind Werkstoffe aus dem Bau- oder Flohmarkt so inspirierend?
Ich glaube, die Antwort liegt irgendwo zwischen MacGyver und Duchamp: auf der einen Seite geht es um den Erfindergeist, anderseits schafft man einen neuen Kontext. Man gibt den Gegenständen eine neue Bedeutung, aber die ursprüngliche Funktion ist immer noch sichtbar.

 

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Was ist jeweils zuerst da, die Idee eines Objekts oder das Material?
Sowohl als auch, das kann auf alle möglichen Arten passieren. Manchmal beginne ich einfach so mit Baumaterial herum zu probieren oder es kann eine Tätigkeit wie Laserschneiden sein, die mich inspiriert. Ein andermal entsteht eine Idee, wenn ich sehe, wie sich jemand mit einem unpraktischen Design abmüht oder es fällt aus heiterem Himmel etwas ein. Viele solche kleinen Ideen führen schließlich zum eigenen Stil.

 

Was ist wichtiger für Sie: die Gestaltung oder die Funktionalität eines Objekts?
Beides ist sehr wichtig und das eine kann das andere beeinflussen. Ich denke, meistens erfüllt ein Gestaltungselement auch eine bestimmte Funktion. Manchmal soll ein Objekt aber auch einfach nur sexy aussehen!

 

diy4Wie erklären Sie sich die momentane Faszination des Publikums an Recycling-Design?
Vermutlich wählen die Leute in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Dinge aus, die bequem und erschwinglich sind. Do-it-yourself ist beides. Weltweit schießt die Do-it-yourself-Kultur wie Pilze aus dem Boden.

 

 

Glauben Sie, dass dieser Trend anhalten wird?
Ich hoffe es! Ich hoffe, dass auch nachdem die Wirtschaftskrise überwunden ist, die Bereitschaft, die Dinge selber anzupacken und zu realisieren, noch
vorhanden ist.

 

Was halten Sie von Designmessen?
Ich besuche sie gerne und schaue mir gerne die neuen Arbeiten an. Tatsächlich habe ich viele der im Buch vorgestellten Künstler auf den Websites von Designmessen gefunden. Ich habe mir ihre Werke im Internet angeschaut und Objekte ausgewählt, die mir für das Buch passend schienen. Selber habe ich noch nicht an einer Designmesse ausgestellt. Aber ich beende gerade einige neue Objekte und diese möchte ich nächstes Jahr ausstellen. Fragen Sie mich also nächstes Jahr nochmal – vielleicht habe ich dann meine Meinung darüber geändert…

 

Schließlich: Welches ist Ihr Lieblingsobjekt im Buch?
Oh – im Buch gibt es so viele tolle Ideen, ich kann mich gar nicht entscheiden…

 


Stuart_ChristopherBevor er sich Büchern und Objekten zuwandte, verdiente Christopher Stuart als Künstler vor allem mit Ölgemälden sein Geld. Seine Arbeiten erhielten zahlreiche Preise, wurden in bedeutenden amerikanischen Galerien gezeigt und in führenden Kunstzeitschriften vorgestellt. Mit der Zeit verlagerte sich sein Interesse auf Industriedesign, woraus sich seine Liebe für 3-D- und Funktionsobjekte entwickelte. Während er einerseits als Chefdesigner für den Elektronikkonzern Thomson (Geschäftsbereiche GE und RCA) seine gestalterische Fähigkeiten vervollkommnete, baute er andererseits seine bildhauerischen Fertigkeiten aus und vermittelte gleichzeitig sein Wissen über Malerei als Dozent an verschiedenen Kunstzentren.Im Jahr 2007 gründete Christopher Stuart Luur Studio, ein multidisziplinär ausgerichtetes Designstudio, das ihm die Zusammenführung seiner Erfahrung als Designer und Künstler erlaubte. Luur Studio zeichnet sich durch seine einfühlsame Herangehensweise an Design aus; es werden emotionale Verbindungen zwischen Objekt und Nutzer gesucht und aufgebaut. Mit Luur Studio arbeitet Stuart auch weiterhin im Auftrag großer Marken oder Start-ups, während er gleichzeitig auch selbst Möbel und Wohnaccessoires entwickelt.

 

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