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10 Dinge, die man in der Havelregion erlebt haben sollte

Cover_Aufriss_final.indd70 Kilometer westlich von Berlin fängt die Sehnsucht an. Zumindest, wenn man an weitläufige Wiesen, seenreiche Buchten, kurvenreiche Flussschleifen, natürliche Ufer und sagenumwobene Auenwälder denkt. Denn das alles bietet das Havelland und noch viel mehr. Wer hier nicht die Seele baumeln lassen kann, hat entweder keine oder ist falsch abgebogen. Dass man diesen einzigartigen Naturschatz bewahren muss, hat der NABU früh erkannt, und 2005 das größte Renaturierungsprojekt Europas ins Leben gerufen. Diesem ist es auch zu verdanken, dass die Region die diesjährige BUGA ausrichten darf. Am 18. April öffnet Deutschlands größte Gartenbauausstellung auf den fünf Standorten Havelberg, Amt Rhinow/Stölln, Premnitz, Rathenow und Brandenburg ihre Tore – ein weiterer Grund diese einmalige Region zu besuchen.

150114_Havel-Kochbuch_RZ.inddWir verraten Ihnen im Vorfeld unsere besten 10 Tipps:

1. Frischen Havelfisch essen: Früher gab es an der Havel 5000 Fischer. Heute gibt es nur drei Mutige in direktem Umkreis von Strodehne, die diesem Gewerbe noch nachgehen. Einer von ihnen ist Fischer Wolfgang Schröder. In seinen Netzen landen Leckerbissen wie Barsch, Hecht, Karpfen, Plötze, Wels oder Zander. Ein absolutes Muss, wenn man an der frischen Luft und auf dem Wasser unterwegs war: Ein Fischbrötchen auf die Hand. Im sauberen Gewässer gefangen und nicht aus der Truhe. In seinem Hofladen kann man die Süßfische übrigens auch verzehrfertig fürs Abendessen zu Hause kaufen.

150114_Havel-Kochbuch_RZ.indd2. Den Gollenberg «erklimmen»: Eigentlich gibt es im Havelland keine Berge, sondern nur «Ländchen». Die höchste Bodenerhebung ist mit 43 Metern überm Meeresspiegel der Gollenberg in Stölln. Im Jahr 1896 schrieb er unfreiwillig deutsche Fluggeschichte als Otto Lilienthal bei einem seiner Flugversuche in die Tiefe stürzte. Am Westhang des Berges erinnert heute Lady Agnes – ein weißrotes Flugzeug – an diesen Wagemut und dient als Museum und sogar als Standesamt.

3. Einen Abstecher in Milow machen: Malerische Ortschaften zwischen mittelalterlicher und gotischer Baukunst gibt es in der Havelregion zuhauf, Milow gehört definitiv dazu. Unbekannt ist, ob es tatsächlich der älteste Ort im Kreis Havelland ist, aber er wurde zumindest als erstes urkundlich erwähnt. Im NABU-Besucherzentrum Westhavelland gibt es nicht nur frischen Streuobstsaft, sondern auch eine Modellflusslandschaft mit Hochwassersimulator und ein Sternenzelt zum Hineinkriechen für Jung und Alt.

150114_Havel-Kochbuch_RZ.indd4. Vögel beobachten am Gülper See: Am größten See in der Havelregion schnattert, frisst und trinkt das Who ist Who der Vogelgesellschaft. Mehr als 100.000 Wat- und Wasservögel nutzen diese «Tankstelle» auf ihrer langen Reise in den Süden. Besonders im Frühjahr und Herbst ist hier Schichtbetrieb angesagt. Einfach Ferngläser vor die Augen setzen und los geht das Spektakel!

5. Birnenkuchen in Ribbeck naschen: «Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland» – wer kennt es nicht, das Gedicht von Theodor Fontane. Auch heute dreht sich in dem historischen Ortskern noch viel um sein berühmtes Erbe. Heimliches Zentrum des Birnenkults ist die «Alte Wäscherei». Dreckige Wäsche wird dort nicht mehr gewaschen, dafür betreibt Marina Wesche nun ein liebreizendes Café mit integriertem Museum und Hofladen. Ihr Sortiment reicht von Birnensalami, Birnensenf und Birnensuppe bis hin zu schwindelerregend hohen Tortenstücken. Eine Gabel davon – Sie werden es erraten: ein Gedicht!

150114_Havel-Kochbuch_RZ.indd6. Sterne gucken am dunkelsten Ort Deutschlands: Seitdem der Naturpark Westhavelland 2014 zum ersten internationalen Sternenpark in Europa gekürt wurde, ist es offiziell: Nirgendwo strahlen die Sterne heller als hier. Eine geführte Wanderung durch die Nacht bietet zum Beispiel Marion Werner in Strodehne an. Von ihr lernt man nicht nur, dass das Sternenbild «Große Bärin» weiblich ist, sondern auch wie man sich aus der Natur ernähren kann.

150114_Havel-Kochbuch_RZ.indd7. Sich auf dem Wasser treiben lassen – mit Floß oder Kanu: Die Hektik und den Stress hinter sich lassen. Einfach nur Sein und die Natur um sich herum genießen. Das geht hervorragend, wenn man völlig losgelöst, möglichst langsam unterwegs ist. Dafür ist das Paddeln im Kanu oder Kajak oder auch ein leicht motorisiertes Floß ideal. Man ist leise und flexibel und kann sich der Landschaft und den Tieren in seiner Umgebung bedacht und vorsichtig nähern. Ein Naturerlebnis der besonderen Art. Und dazu noch sehr entschleunigend! Besonders auf der gemächlich dahin fließenden Havel, auf der es Rundherum viele Verleiher gibt. Einen Bootsführerschein braucht man nicht. Wer trotzdem nicht alleine unterwegs sein möchte, kann sich einer geführten Tour anschließen und sich dabei vielleicht auch noch auf Biber- oder Fischottersuche begeben.

8. Inselhopping in Brandenburg an der Havel: Inmitten des Seenmosaiks an der Schwelle zur Stadt Brandenburg an der Havel liegt die kleine Insel Buhnenwerder liegt im Plauer See. Sie ist Heimat für seltene und vom Aussterben bedrohter Arten. Seit den 1950er-Jahren kümmert sich die Familie Weggen zusammen mit einer Gruppe Naturschützern um dieses Naturparadies, durch das ein extra angelegter Lehrpfad führt. Eine Führung mit dem Inselhäuptling Michael Weggen ersetzt er aber nicht. Wenn Sie etwas Zeit und Lust haben, lassen Sie sich auf das Erkunden und Entdecken der verschiedenen Lebensräume von Feuchtwiesen, Schilfgürteln und bewaldeten Flächen bis hin zum völlig unterschätzten Trockenrasen ein. Es lohnt sich!

150114_Havel-Kochbuch_RZ.indd9. Leben wie vor 100 Jahren: Wenn man die vergessene Industriestadt Premnitz genauer erkundschaftet, entdeckt man schnell ein ganz besonderes Kleinod. Auf dem Vierseitenhof von Ute Lucke-Polz verhält sich alles, als wäre die Zeit einfach stehen geblieben. In der Räucherkammer wird Fisch geräuchert, in der schwarzen Küche wird Brot gebacken. Außerdem gibt es Spinnräder, Schmiedekunst und einen liebevoll gepflegten Kräutergarten. Erwachsene kommen hier genauso auf ihre Kosten wie Kinder.

10. Über Wiesen streifen und Kräuter sammeln: Die naturbelassene Landschaft rund um die Havel birgt so einige von Städtern vergessene Pflanzenschätze. Wildkräuter auf Wald und Wiesen laden zum Bestaunen und Pflücken ein. Ob Vogelmiere, Brennnessel, Löwenzahn, Franzosenkraut, Sauerampfer, Spitz- und Breitwegerich, Wiesenlabkraut, Weißer Gänsefuß, Giersch und Gundermann – sie alle sind nicht nur essbar, sondern stärken auch unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden durch ihre Heilkräfte. Wenn Sie Lust haben, von dem Wissen der alten Germanen zu profitieren, begeben sie sich auf eine Zeitreise und schließen Sie sich einer der vielen angebotenen Kräuterwanderungen an – die Erkenntnisse reichen bis in die Gegenwart.
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Jasmin Singgih arbeitet seit 2011 beim NABU-Bundesverband als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und betreut dort unter anderem das NABU-Renaturierungsprojekt «Untere Havel».

Anna-Beeke Gretemeier kam 2011 zum NABU-Bundesverband, wo sie als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit tätig war. Seit Ende 2014 schreibt sie für den STERN.

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Anna-Beeke Gretemeier (links) und Jasmin Singgih (rechts). Foto: Philip Scholl

Die Abbildungen stammen aus «Die Naturküche der Havel. Eine Flusslandschaft, ihre Menschen und Rezepte».

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